Ärzte Zeitung, 17.11.2006

Ätherische Öle stärken lokale Abwehr bei Kindern

Schlagfrequenz der Zilien wird gesteigert

DÜSSELDORF (grue). Infektanfällige Kinder haben nur selten eine spezifische Abwehrschwäche. Meist dringen die Krankheitserreger über die Schleimhäute der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Harnröhre in den Körper ein. Durch Stärkung der lokalen Abwehr kann vorgebeugt werden.

Darauf hat Professor Josef Guggenbichler aus Erlangen beim Medica-Kongreß hingewiesen. So sei etwa bei Kindern mit wiederholten Atemwegsinfekten der Aufbau des respiratorischen Epithels gestört. "Die Zilien schlagen zu langsam, um die an sich harmlosen Erreger abzutransportieren", sagte der Pädiater.

Ein Risikofaktor für eine gestörte mukozilliäre Clearance sei das Passivrauchen. Auch ein verminderter Sekretfluß und eine veränderte Schleimviskosität erhöhen das Infektionsrisiko. "Leider werden diese Zusammenhänge mitunter verkannt und das infektanfällige Kind bekommt stattdessen Antibiotika", sagte Guggenbichler.

    Bei Zystitis ist Preiselbeer-Saft gute Option.
   

Das fördere die Entstehung von Resistenzen, trage aber nichts zur Stärkung der Abwehr bei. "Besser sind die oft geschmähten Phytopharmaka", meinte der Kinderarzt. Ätherische Öle steigern nachweislich die Schlagfrequenz der Zilien, Kamillenextrakte wirken zusätzlich antimikrobiell.

Zum Schutz vor Magen-Darm-Infekten setzen Kinderärzte auf Karottenzubereitungen und Pektinpräparate, um den Kohlenhydrat-Anteil der Schleimhaut zu stabilisieren. Kinder mit häufigen Blasenentzündungen wird dagegen Preiselbeer-Preßsaft verordnet, weil er gut gegen Bakterien im Harntrakt wirkt. "Der Nutzen alter Hausmittel wurde zum Teil wissenschaftlich nachgewiesen", sagte Guggenbichler.

Ihre Wirksamkeit lasse sich im übrigen aus den Pathomechanismen der Infektanfälligkeit ableiten. "Früher dachten wir, daß bei Kindern mit wiederholten Infekten das gesamte Abwehrsystem geschwächt ist, dabei handelt es sich meist um ein lokales Problem im Bereich der Schleimhäute." Zu den bewährten Vorbeugemaßnahmen gehöre auch, daß die Kinder genug trinken, sich gesund ernähren und saubere Luft atmen.

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