Ärzte Zeitung, 29.11.2006

Erfolg für frühere Schuleingangsuntersuchung

Modellprojekt in Baden-Württemberg / Schultauglichkeit wird schon im Alter von fünf Jahren überprüft

STUTTGART (mm). Ärzte und Gesundheitsämter in Baden-Württemberg scheinen mit ihrem neuen Konzept, Kindergartenkinder früher als bisher auf ihre Schultauglichkeit und gesundheitliche Probleme hin zu überprüfen, auf dem richtigen Weg zu sein.

Ein Arzt prüft die Reflexe eines Kindes. In Baden-Württemberg werden Kinder schon ein Jahr vor ihrer Einschulung untersucht. Foto: Klaro

In Stuttgart stellte Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz aktuell die ersten Ergebnisse eines Modellprojektes vor, das seit Sommer 2006 läuft. Anders als bisher werden die Kindergartenkinder dabei bereits mit fünf Jahren, mindestens aber ein Jahr vor der Einschulung, untersucht.

In einem Kindergarten spielen Kinder mit Bauklötzen. Foto: dpa

"Das bisherige Verfahren wenige Wochen vor Einschulung hatte den Nachteil, daß bei festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Entwicklungsverzögerungen die Fördermaßnahmen zu spät einsetzten", erläutert Stolz. Bei den Untersuchungen im Modellprojekt wiesen nun 30 Prozent der Kleinen im apparativen Sehtest einen auffälligen Befund auf. Nur bei wenigen dieser Kinder seien den Eltern diese Sehprobleme bekannt gewesen.

In einem Teil des Sprachtests fielen zudem 14,2 Prozent der untersuchten Kinder als förderbedürftig auf, bei weiteren 2,6 Prozent wurde ein Therapiebedarf festgestellt.

In zunächst fünf Modellregionen läuft das neue Konzept für Schuleinganguntersuchungen. Im ersten Schritt bietet der öffentliche Gesundheitsdienst einen Sprachtest sowie apparative Seh- und Hörtests an. Auch die Eltern werden über den Entwicklungsverlauf, Krankheiten und die sozialen Rahmenbedingungen ihres Kindes befragt.

Im zweiten Schritt der Einschulungsuntersuchung (zu Beginn des letzten Kindergartenjahres) geht es dann konkret darum, die Schulfähigkeit des Kindes zu bestimmen. Gibt es von ärztlicher Seite her Bedenken, so kann versucht werden, in den verbleibenden Monaten bis zur Einschulung durch Logopädie, Ergotherapie oder auch durch andere Angebote eventuellen Problemen des Kindes entgegenzuwirken.

Erstmals lägen nun auch Daten zu Familien mit Migrationshintergrund vor, zeigt sich Monika Stolz zufrieden. Bei 61 Prozent der untersuchten Kinder waren Vater und Mutter in Deutschland geboren. Nur bei 66 Prozent wurde Deutsch als bevorzugte Sprache zu Hause und während der ersten drei Lebensjahre gesprochen.

Das Modellprojekt endet im Herbst des kommenden Jahres.

Informationen über die neu konzipierte Einschulungsuntersuchung und das Modellprojekt "Neukonzeption Einschulungsuntersuchung" finden sich auf der Homepage des baden-württembergischen Ministeriums für Arbeit und Soziales unter www.sozialministerium-bw.de.

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