Ärzte Zeitung online, 26.09.2008

Kinderzahnärzte sollen Karies-Problemkinder zu Hause aufsuchen

DRESDEN (dpa). Der Zahnarzt oder zumindest eine Fachschwester soll künftig Karies-Problemkinder vermehrt zu Hause aufsuchen. In Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialämtern solle so eine bessere Vorsorge möglich werden.

Bislang gebe es dazu regionale Modellversuche, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK), Professor Ulrich Schiffner am Donnerstag in Dresden.

"Kinder mit viel Karies kommen meist zu spät zu uns", begründete der Hamburger Universitätsprofessor die Forderung. In der Region Hamburg fielen 10 bis 15 Prozent der Kinder bis sechs Jahre in die Karies-Risikogruppe, anderswo gebe es ähnliche Zahlen. Bei jedem der Kinder hätten im Schnitt 3,5 Zähne die Fäulniskrankheit. Vor allem einkommensschwache Familien seien betroffen.

Generell werde aber ein Rückgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen registriert, fügte er an. DGK-Vize Dr. Sabine Bertzbach verwies auf das Problem, dass Kinder mit umfangreicher Karies unter Narkose behandelt werden müssten.

Kinderärzte sollen auch für das Thema Missbrauch sensibilisiert werden

Kinderzahnärzte sollen darüber hinaus auch weiter für das Thema Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern sensibilisiert werden.

Etwa 60 Prozent aller Verletzungen bei Kindesmisshandlungen sind laut Schiffner an Kopf und Hals zu finden. "Wir wollen die Kollegen in juristischer Sicht fortbilden", sagte die Dresdner Rechtsmedizinerin Privatdozentin Christine Erfurt. Bei Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung könne bei Kindern bis 14 Jahren auch gegen die Einwilligung der Eltern das Jugendamt benachrichtigt werden.

Die DGK hält am Freitag und Samstag in Dresden ihre Jahrestagung mit rund 500 Kinderzahnärzten ab.

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