Ärzte Zeitung online, 19.06.2009

Kind totgeschüttelt - fünf Jahre Haft für Tagesmutter

MÜNCHEN(dpa). Der kleine Christopher war ihr anvertraut - doch im Stress schüttelte die Tagesmutter den 14 Monate alten Jungen so heftig, dass er wenig später im Krankenhaus an einer Gehirnblutung starb. Am Freitag hat das Schwurgericht München die Tagesmutter deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Nach Ansicht der Richter lag ein Fall von Körperverletzung mit Todesfolge vor. Unter Tränen hatte die 34-Jährige im Prozess die Tat vom 25. September 2008 gestanden. Die Tagesmutter habe aus "momentaner Verärgerung" gehandelt, weil das Kind mittags nicht schlafen wollte, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl in der Urteilsbegründung.

Götzl beschrieb die Angeklagte - eine alleinerziehende Mutter - als eine Frau, die ihren Aufgaben im Prinzip gewachsen war. "Sie hatte durchaus ein gutes Händchen für Kinder." Die 34-Jährige war seit 2005 Tagesmutter, sie betreute neben ihren eigenen beiden Töchtern drei vom Jugendamt vermittelte Kinder. Der kleine Christopher war zur Tatzeit noch in der Eingewöhnungsphase.

Am Vortag hatte er bereits den Mittagsschlaf verweigert und zwei Stunden geweint. "Es war ihr wichtig, dass er sich ans Einschlafen gewöhnt, sie wollte Erfolg", sagte der Richter. Doch das Kind wurde, nachdem es zunächst eingenickt war, wieder unruhig, weinte und versuchte aufzustehen. Die Angeklagte habe ihn unter den Armen gepackt und trotz ihrer Erfahrung in einem Augenblicksimpuls geschüttelt.

Die 34-Jährige nahm das Urteil gefasst auf. Es lag um ein Jahr unter dem Antrag von Staatsanwalt Andreas Franck. Verteidiger Jürgen Niemeyer hatte auf höchstens drei Jahre Freiheitsstrafe wegen eines minderschweren Falles plädiert.

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