Ärzte Zeitung online, 08.06.2011

Vorsorge-Kontrolle deckt Verwahrlosung von Kindern offenbar nicht auf

DÜSSELDORF (dpa). Jungen und Mädchen sind einem Medienbericht zufolge nicht besser vor Verwahrlosung geschützt, seit Behörden Eltern an Vorsorge-Untersuchungen der Kinder erinnern.

Das meldet die Wochenzeitung "Die Zeit" unter Berufung auf noch unveröffentlichte Zahlen aus mehreren Bundesländern.

Zwar sei die Teilnahmequote für die ärztlichen U-Untersuchungen seit den 2007 beschlossenen behördlichen Briefen und Hausbesuchen gestiegen. Die Hoffnung, nicht bekannte Fälle von Verwahrlosung aufzudecken, habe sich aber bisher zerschlagen.

"In den allermeisten Fällen erweisen sich die aufwendigen Überprüfungen durch die Jugend- oder Gesundheitsbehörden sogar als überflüssig, weil die Eltern zum Zeitpunkt der Erinnerung bereits beim Arzt gewesen sind", schreibt das Blatt.

Neun von zehn Eltern waren schon bei der Kontrolle, bevor die Kontrolle erfolgt

Eine Auswertung der Kontrollen in Nordrhein-Westfalen 2010 ergab, dass sogar 90 Prozent der Eltern mit ihrem Nachwuchs schon beim Arzt waren, bevor die behördliche Kontrolle erfolgte.

Nur bei 20 von 26.371 Hausbesuchen und Anrufen - das sind 0,08 Prozent - stießen Mitarbeiter des Jugendamts auf eine Gefährdung des Kindeswohls.

"Leib und Leben waren jedoch niemals akut bedroht", sagte Thomas Fink vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der die Zahlen analysiert hat, der Zeitung.

Da die aus Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein vorliegenden Zahlen ähnlich seien, kritisierte das Deutsche Institut für Jugendhilfe: "Weniger effektiv kann Geld für den Kinderschutz kaum ausgegeben werden."

Bund und Länder hatten sich 2007 auf das "verbindliche Einladungswesen" geeinigt, nachdem Minderjährige nach Gewalt oder Vernachlässigung gestorben waren.

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