Ärzte Zeitung, 27.09.2007

KOMMENTAR

Anthroposophie - noch fehlt Klarheit

Von Martin Wortmann

Es sah nach einer Katastrophe für die anthroposophische Medizin aus: Auch sie muss sich dem EU-weit vereinheitlichten Zulassungsverfahren für Arzneimittel unterwerfen, urteilte kürzlich der Europäische Gerichtshof. Eine unnötige Verunsicherung blieb anthroposophisch orientierten Ärzten und Patienten jedoch zum Glück erspart.

Rechtzeitig haben Hersteller und Verbände bemerkt, dass die Situation in Deutschland nicht der niederländischen entspricht, zu der das Urteil ergangen ist. Anders als bei den Nachbarn sind die anthroposophischen Medikamente in Deutschland bereits zugelassen - und diese Zulassungen haben bis auf Weiteres Bestand.

Ob sie letztlich den europarechtlichen Maßstäben standhalten werden, ist jedoch nicht noch entschieden. Verbände und auch die Bundesregierung sollten die Zeit nutzen, damit es zu einer Ergänzung der Arzneimittelrichtlinie der Europäischen Union kommt.

Das ist der richtige Weg - auch wenn, gemessen am gesamten Gesundheitsmarkt, die anthroposophischen Arzneien nur ein Nischenprodukt sind, und obwohl sie unter Schulmedizinern hoch umstritten sind.

Immerhin 4000 Ärzte wenden sie regelmäßig und sehr viele weitere gelegentlich an, und viele Patienten vertrauen darauf. Die Wünsche auch einer solchen medizinischen Minderheit dürfen nicht unter die zulassungsrechtlichen Räder kommen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Gibt es für anthroposophische Arzneien bald einen Sonderstatus bei Zulassungen?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »