Ärzte Zeitung, 26.04.2004

Tatkräftige Unterstützung für die Stammzellforschung in Deutschland

Hans Schöler leitet Abteilung am Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin

Der deutsche Stammzellforscher Professor Hans Schöler, der bis vor kurzem in Philadelphia in den USA geforscht hat, ist nach Deutschland zurückgekehrt. Weltweit Aufsehen erregt hat er mit Versuchen, in denen es ihm erstmals gelungen war, embryonale Stammzellen in Eizellen zu verwandeln. Über seine Pläne als Leiter einer Abteilung am Max-Planck-Institut (MPI) für Molekulare Biomedizin in Münster sprach mit Schöler Peter Leiner von der "Ärzte Zeitung".

Ärzte Zeitung: Was waren Ihre Hauptbeweggründe, nach Deutschland zurückzukehren?

«Wir wollen nach Alternativen zum therapeutischen Klonen suchen.»

 

Professor Hans R. Schöler
MPI für Molekulare Biomedizin

Schöler: Drei Gründe waren ausschlaggebend: Beruf, Münster und meine Familie. Die Max-Planck-Gesellschaft bietet eine einzigartige Gelegenheit, um mich vollkommen auf die Wissenschaft mit viel Freiheiten und relativ wenig Störungen widmen zu können. Für mich wird so ein Traum wahr.

Ich hoffe, daß ich die Stammzellforschung generell durch meine Arbeit beeinflussen und junge Forscher auf diesem Gebiet und in der Zell- und Entwicklungsbiologie unterstützen kann. Das war auch einer der Gründe dafür, warum ich mich als Sachverständiger bei der Deutschen Forschungsgesellschaft und des Bundesforschungsministeriums engagiert habe.

Ärzte Zeitung: ... und warum Münster?

Schöler: Künftig will ich unsere Versuche an Mäusen mit Versuchen an Primatenmodellen verknüpfen. Zudem möchte ich medizinische und biologische Ausbildung eng miteinander verzahnen. Diese Kombination läßt sich in Münster durch die enge Nachbarschaft der medizinischen Fakultäten zum Max-Planck-Institut hervorragend realisieren.

Und der dritte Grund für den Wechsel nach Münster: Meine Frau wollte unbedingt wieder nach Deutschland, und Münster gefällt ihr genauso wie mir.

Ärzte Zeitung: Wieviele Forscher bringen Sie aus Philadelphia mit?

Schöler: Zwischen fünf und sieben Wissenschaftler.

Ärzte Zeitung: Forschungsschwerpunkt am Institut in Münster war bisher die Regulation der Einwanderung von Leukozyten in Gewebe. Ist das nicht etwas völlig anderes als das, was Sie bisher erforscht haben, nämlich Stammzellen und die Embryonalentwicklung?

Schöler: Das Institut ist ja umbenannt worden und heißt jetzt Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin mit der Abteilung "Vaskuläre Zellbiologie" - in der Leukozyten weiterhin Forschungsschwerpunkt sind - von Professor Dietmar Vestweber und der Abteilung "Zell- und Entwicklungsbiologie", die ich leite. Professor Vestweber und ich haben uns für den neuen Namen des Instituts entschieden, weil er am besten verdeutlicht, daß wir beide an Biologie und Medizin interessiert sind und daß wir vorrangig die molekularen Prozesse verstehen wollen.

Ärzte Zeitung: Welchen neuen Forschungsschwerpunkt wird es jetzt in Münster geben?

Schöler: Das sind zum einen Studien zur Pluripotenz embryonaler Stammzellen und zur Reprogrammierung adulter Zellkerne und Zellen in den embryonalen Zustand. Zum anderen wollen wir die Entstehung von Keimzellen im Embryo und in der Kulturschale erforschen sowie nach Alternativen zum therapeutischen Klonen suchen.

Ärzte Zeitung: Seit Anfang des Monats sind Sie in Münster. Wann können Sie Ihre Forschungsarbeit aufnehmen?

Schöler: Der Wechsel des Labors aus den USA nach Münster wird zwischen April und September erfolgen. Es handelt sich um eine Zwischenlösung. Wir werden im Institut für Chemo- und Biosensorik untergebracht, das aber erst noch umgebaut werden muß. Erst 2006 wird das neue Institut bezugsfertig sein.

Ärzte Zeitung: Welche langfristigen Pläne haben Sie für das Institut in Münster?

Schöler: Professor Vestweber und ich werden versuchen, einen dritten Direktor zu gewinnen, der unsere Arbeitsgebiete ergänzt. Insgesamt wird das Institut in Richtung molekularer Biomedizin orientiert sein. Ich suche eine Anbindung an die medizinischen und biologischen Fakultäten der Universität. Münster ist auch attraktiv, weil es dort das Zentrum für Nanotechnologie gibt und auch die Möglichkeit, an Primatenmodellen zu forschen.

Ärzte Zeitung: Wann werden Sie Ihren ersten Antrag zur Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen beim Robert-Koch-Institut in Berlin stellen?

Schöler: Möglichst noch in diesem Jahr.

Ärzte Zeitung: Worum wird es in diesen Experimenten gehen?

Schöler: In diesen Versuchen wird es darum gehen, in vitro aus Stammzellen Eizellen und Spermien herzustellen.

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