Ärzte Zeitung, 26.05.2004

KOMMENTAR

Forschung am Scheideweg

Von Philipp Grätzel von Grätz

Die Stammzellforschung in Deutschland steht vor einer Richtungsentscheidung. Werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gelassen, wie sie sind, dann wird die entscheidende Forschung in den nächsten Jahren anderswo gemacht.

Auch deutsche Forscher werden von dieser Grundlagenforschung an embryonalen Zellen profitieren. Sie werden ihre Arbeiten mit adulten Zellen daran orientieren und mit ihrem im Ausland erworbenen Know-How wichtige Experimente machen.

Werden adulte Stammzellen ein medizinischer Erfolg, dann ist Deutschland mit dabei, obwohl es sich um die ethisch problematischen Experimente auf dem Weg dorthin gedrückt hat.

Das kann nicht der Weg sein. Mehrere Umfragen in Deutschland belegen, daß die Bevölkerung gegenüber der embryonalen Stammzellforschung nicht skeptischer ist als anderswo. Auch sind hier Forscher nicht verantwortungsloser, und die Öffentlichkeit ist nicht weniger wachsam.

Die Gesetzgebung sollte das zur Kenntnis nehmen und die Gesetze unter der Auflage maximaler Transparenz liberalisieren, um kontrollierte Versuche mit Zellen überzähliger Embryonen aus der In-vitro-Fertilisation hier zu ermöglichen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Diabetiker werden als erste von der Stammzellforschung profitieren

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