Ärzte Zeitung, 16.09.2004

Der Nationale Ethikrat hat in dieser Woche gegen das therapeutische Klonen votiert - vorläufig (wir berichteten). Ziel des Verfahren ist es, Stammzellen zu gewinnen, mit denen sich Gewebe für Therapien züchten läßt.

Größtes Therapie-Potential wird von embryonalen Stammzellen erwartet

Forscher hoffen, daß durch Klonen gewonnene Stammzellen nicht abgestoßen werden

Stammzellen - daran knüpfen sich die Hoffnungen vieler Wissenschaftler wie Patienten. Seit südkoreanische Forscher Anfang des Jahres belegt haben, daß sich auch menschliche embryonale Stammzellen mit Hilfe des Klonens gewinnen lassen, erhofft man sich gerade von solchen Zellen das größte therapeutische Potential.

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So lassen sich Stammzellen durch Klonen erzeugen

Stammzellen haben inzwischen in vielen Labors weltweit die höchste Priorität gewonnen. Allein in den USA konzentrieren sich mehr als 200 Unternehmen, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen auf diese Zellen, wie eine aktuelle Frost & Sullivan-Analyse ergeben hat.

Ziele der Erforschung von Stammzellen sind zum einen, durch Krankheit untergegangenes Gewebe wie in der Bauchspeicheldrüse oder im Gehirn eines Tages ersetzen zu können. Tierversuche gibt es dazu auch bei Morbus Parkinson. Zum anderen will man neue Medikamente künftig statt bei Tieren direkt an menschlichem Gewebe testen, das aus Stammzellen gezüchtet wurde.

Die Hoffnungen, die auf geklonten embryonalen Stammzellen ruhen, nähren sich aus ersten erfolgreichen Studien in Tiermodellen, zum Beispiel zur Therapie bei geschädigtem und vernarbtem Herzgewebe von Mäusen. Vorteil der Zellen: Weil sie vom erkrankten Tier stammen, werden sie nicht abgestoßen. Unklar ist jedoch, wie groß die Gefahr der Abstoßung ist, wenn für das Klonen zur Gewinnung der embryonalen Stammzellen eine fremde, zuvor entkernte Eizelle verwendet wird.

Forscher wie Dr. Robert Lanza vom Unternehmen Advanced Cell Technology glauben aufgrund der Tierversuche, daß durch Klonen gewonnene embryonale Stammzellen viel besser etwa zur Therapie nach einem Herzinfarkt geeignet sind als adulte Stammzellen.

Um das Klonen zur Gewinnung von embryonalen Stammzellen zu umgehen, versuchen Forscher, einen ethisch nicht bedenklichen Weg zu gehen: bereits ausdifferenzierte Zellen, etwa einen Myozyten, in eine Stammzelle zu verwandeln. US-Forschern ist dies in diesem Jahr mit Hilfe der Substanz Reversine in der Kulturschale bereits gelungen. Dies könnte eines Tages eine Alternative zur Verwendung von Embryonen sein. (ple)

Infos zur Frost & Sullivan-Analyse: Katja Feick, 0044-20-79 15 78 56, Fax: 0044-20-77 30 33 43, E-Mail: kfeick@frost.com

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