Ärzte Zeitung, 19.01.2005

KOMMENTAR

Die Doppelhelix ist kein Fingerabdruck

Von Hanno Kautz

Das Thema DNA-Analysen eignet sich nicht für weiß-blauen Populismus. Schon im Ansatz irrt der Bajuware Edmund Stoiber, wenn er unter dem Eindruck des schnell aufgeklärten Mordes an dem Modemacher Moshammer schlagwortet, die Doppelhelix sollte der Fingerabdruck des 21. Jahrhunderts werden.

Körperzellen sind mehr als die unverwechselbaren Kurven auf der menschlichen Haut. Ihre Analyse verrät nicht nur, ob ein Verdächtiger am Tatort war, sondern kann auch dazu dienen, Menschen auf Krankheiten auszuspionieren. Zwar ist das nicht Ziel einer erkennungsdienstlichen Untersuchung der Polizei und auch nicht das Ergebnis, wenn lediglich ein genetischer Fingerabdruck genommen wird, aber die Gefahr.

Gendaten sind zu begehrt und zu sensibel, als daß man ihre Auswertung zur Normalität erheben könnte. Auch für eine DNA-Analyse bei polizeilichen Ermittlungen muß es deshalb gute Gründe geben. Und die gehen weit über den Anlaß einer erkennungsdienstlichen Behandlung hinaus. Die Debatte um DNA-Analysen zeigt auch, wie wichtig es ist, daß die Bundesregierung endlich ihr Gendiagnostik-Gesetz vorlegt. Der Umgang mit Gendaten muß prinzipiell geklärt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »