Ärzte Zeitung, 21.02.2005

Durch den Ausschluß heimlicher Vaterschaftstests als Beweismittel und die Identifizierung des mutmaßlichen Moshammer-Mörders wurde die hitzige Diskussion um Gen-Tests neu entfacht. Doch nicht jeder DNA-Test ermöglicht den Blick auf all unsere Gene. In der heute startenden Serie erfahren Sie, was die Tests leisten.

Aufregung um Gen-Tests, die gar keine sind

Vaterschaftstest kommt ohne Genanalyse aus / Auch beim genetischen Fingerabdruck werden nur DNA-Regionen ohne Informationen abgetastet

Von Peter Leiner

Mit der Verbesserung der molekulargenetischen Methoden, etwa aufgrund der Polymerase-Kettenreaktion, durch die Entschlüsselung des Human-Genoms und nicht zuletzt durch Gen-Chips, haben sich die Möglichkeiten, die DNA zu analysieren, ungeheuer erweitert. Stets wird dabei von Gen-Tests gesprochen, allerdings auch dann, wenn es gar nicht um die Analyse von Genen geht, etwa beim Vaterschafts- oder Abstammungstest und beim genetischen Fingerabdruck zur Identifizierung etwa von Straftätern.

DNA-Speichelproben, die in Wattestäbchen an der Luft trocknen. Sie werden für die DNA-Analyse mit dem DNA-Fingerprinting vorbereitet. Foto: dpa

In diesen beiden Fällen werden nämlich Regionen auf Chromosomen analysiert, die keinen Bauplan für die Synthese von Eiweißmolekülen enthalten. Sie werden als STR (short tandem repeats, Mikrosatelliten) bezeichnet.

Bei der Anwendung von Gen-Tests in der Human-Genetik geht es um die Analyse von Genen, die aufgrund von Mutationen Ursache für Krankheiten sind. Das ist seit mehr als 20 Jahren möglich. Bekanntestes Beispiel ist die Gen-Diagnostik bei Verdacht auf Morbus Huntington. Wer das pathogenetisch bedeutsame Gen besitzt, wird die Krankheit bekommen.

Stichworte

Gesucht wird generell nach bestimmten krankheitsrelevanten Genen, deren Bauplan bekannt ist, nach Mutationen oder DNA-Sequenz-Verlusten. Es gibt etwa 4000 monogenetisch bedingte Erbkrankheiten. Sie machen aber nur etwa fünf Prozent aller Krankheitsfälle aus. Tests für die Diagnostik oder die klinische Forschung gibt es für etwa 1500 Erbkrankheiten.

Solche Tests werden auch für die vorgeburtliche Diagnostik genutzt, etwa bei Verdacht auf eine Veranlagung für Morbus Huntington oder auf Muskelschwund, sowie für die in Deutschland allerdings nicht erlaubte Präimplantationsdiagnostik.

Ganz anders als in der Human-Genetik ist es dagegen beim genetischen Fingerabdruck, mit dessen Hilfe etwa der mutmaßliche Mörder von Rudolph Moshammer überführt wurde und die Toten der Tsunami-Flut identifiziert werden. Bei dieser Untersuchung werden sich wiederholende DNA-Abschnitte analysiert, die kein Gen, also keinen Bauplan für die Synthese von Eiweißmolekülen enthalten. Dazu wird die DNA aus der Probe isoliert, mit der Polymerase-Kettenreaktion vermehrt und für die Analyse vorbereitet.

Das Einzige, was man aus den Testmustern ablesen kann, ist, ob sich zwei DNA-Proben gleichen sowie den Grad der Verwandtschaft zur Vergleichsprobe. Weder eine Zuordnung zum Geschlecht noch zur Ethnie sind mit ausreichender Sicherheit möglich.

Auch beim Vaterschaftstest wird der Grad der Übereinstimmung zweier DNA-Proben analysiert. Und auch hierzu werden sich wiederholende Bereiche auf der DNA, die Mikrosatelliten, untersucht, die keinen Bauplan für die Eiweißsynthese enthalten.

DNA zu analysieren machen sich schließlich auch Mikrobiologen zunutze. Anhand des spezifischen genetischen Musters von Bakterien lassen sich die Erreger besser als bisher identifizieren.

Schließlich wird die DNA-Analyse, vor allem mit Hilfe von Gen-Chips, inzwischen auch dazu verwendet, die Aktivität von Krebsgenen zu analysieren und nach Mustern zu fahnden, die ein Hinweis auf das Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie sind. Dadurch können Ärzte die Krebsbehandlung je nach Verstoffwechselung des Medikaments anpassen.

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Weitere Beiträge zur Serie:
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