Ärzte Zeitung, 12.05.2006

Erste Erfolge mit Gentherapie bei Hämophilie B

PHILADELPHIA (efi). Einen ersten, wenn auch noch nicht durchschlagenden Erfolg können Forscher bei der Gentherapie von Patienten mit Hämophilie B verzeichnen. Der Gentransfer in Leberzellen gelang ihnen mit Hilfe der Infusion eines mit dem humanen Faktor-IX-Gen ausgestatteten Virus, und zwar direkt in die Blutbahn, ohne daß es zu toxischen Reaktion kam.

In der klinischen Studie wurde das als Genfähre dienende rekombinante adeno-assoziierte Virus (rAAV) sieben Männern mit schwerer Hämophilie B verabreicht. In das Virus wurde außer dem intakten Gen für Faktor IX eine spezielle, nur von Leberzellen erkennbare DNA-Sequenz eingebaut.

Die DNA läßt eine Synthese des Gerinnungsfaktors nur in diesen Zellen zu. Den Forschern zufolge führte die höchste Dosis auch zu einer normalen Faktor-IX-Aktivität im Blut (Nat Med 12/3, 2006, 342). Entscheidend für den Erfolg war jedoch ein niedriger AAV-Antikörper-Titer zu Therapiebeginn. Lag dieser zu hoch, so konnte auch mit rAAV in höchster Dosis keine normale Faktor-IX-Aktivität erzielt werden.

Erfolg der Behandlung ist bisher zeitlich begrenzt

Der internationalen Gruppe um Katherine High vom Howard Hughes Medical Institute in Philadelphia im US-Staat Pennsylvania ging es auch um die Frage, über welchen Zeitraum sich die Viren nach der Infusion in Urin, Blut und Sperma noch nachweisen lassen.

Relativ schnell war der Nachweis der Viren im Urin nicht mehr möglich. Dosisabhängig nahm die Zahl der Viren in Urin und Blut ab, im Sperma dagegen verringerte sich die Virusmenge dosisunabhängig bei den jüngeren Studienteilnehmern schneller.

Der Erfolg der Behandlung hielt jedoch nur über einen Zeitraum von acht Wochen an. Etwa vier bis fünf Wochen nach der Infusion sank die Faktor-IX-Aktivität im Blut stetig, begleitet von steigenden Transaminase-Konzentrationen. Die genetisch veränderten Leberzellen wurden offenbar vom Immunsystem abgestoßen.

Da die Immunreaktion wahrscheinlich durch Antigene der Virushülle ausgelöst wurde, hoffen die Forscher, künftig die Reaktion durch Immunmodulation so lange zu unterdrücken, bis die Virushülle abgebaut ist.

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