Ärzte Zeitung, 05.07.2006

HINTERGRUND

Wer hat das meiste zum Klonen von Schaf Dolly beigetragen?

Von Ute Dickerscheid

Das Klonschaf Dolly hatte keinen biologischen Vater. Und zehn Jahre nach der Geburt des berühmtesten Schafes der Welt am 5. Juli 1996 ist auch die geistige Vaterrolle des Klonforschers Dr. Ian Wilmut umstritten.

Klonschaf Dolly. Kaum ein Mensch nahm von seiner Geburt vor zehn Jahre, am 5. Juli 1996, Notiz. Erst im Februar 1997 wurde es der Öffentlichkeit präsentiert. Foto: dpa

Als Wilmut das erste aus einer erwachsenen Zelle geklonte Säugetier im Februar 1997 der Öffentlichkeit präsentierte, wurden er und das Schaf weltberühmt. Seine "Vaterrolle" hat Wilmut jedoch vor einem schottischen Gericht inzwischen herabgestuft. Dort hat der Wissenschaftler nach einem Bericht des "Daily Telegraph" etwa drei Jahre nach Dollys Tod im Jahr 2003 - das Klonschaf mußte eingeschläfert werden - eingeräumt, daß nicht er, sondern sein damaliger Kollege Dr. Keith Campbell Dolly maßgeblich geschaffen hat.

Wer nun endgültig als der Schöpfer Dollys und damit als Pionier des modernen Klonverfahrens in die Geschichte eingehen soll, ist nur schwer zu klären. Das Roslin-Institut in Edinburgh in Schottland, die Geburtsstätte Dollys, äußert sich dazu nur vage. Ein Sprecher verweist auf Teamarbeit, alle an dem beteiligten Projekt hätten dazu beigetragen, heißt es diplomatisch. Wilmut habe eine "überwachende Rolle" gehabt, so das Institut.

Vor Gericht soll der Forscher Medienberichten zufolge bereits zugegeben haben, daß "66 Prozent" des Verdienstes an Dollys Schöpfung an Campbell gingen. Demnach hätte der Zellbiologe auch als Erstautor genannt werden sollen, doch dieses Privileg hat sich Wilmut selbst gesichert. Publiziert wurde der Forschungsbericht im Februar 1997 in "Nature" (385, 1997, 810).

Wilmut hat ein Patent zum Klonen menschlicher Embryonen

    Das Klonschaf mußte mit sechs Jahren eingeschläfert werden.
   

Wilmut hatte bereits in seinem Buch "Dolly" geschrieben, daß der Labortechniker Bill Ritchie und der Forscher Campbell die 277 Embryonen konstruierten, von denen eines zu Dolly führte. Doch nun sagte er nach Angaben der britischen Zeitung "Guardian" auch vor dem schottischen Gericht auf die Frage ob der Satz: "Ich (Wilmut) habe Dolly nicht geschaffen", richtig sei, "Ja". Dabei war Dolly bei dem Prozeß nur ein Nebenschauplatz gewesen. Vielmehr ging es nach Medienangaben um einen Streit mit dem indischen Molekularbiologen Prim Singh, der sich von Wilmut in einem anderen Fall übergangen fühlte.

Wilmut selbst hat inzwischen ein Patent zum Klonen menschlicher Embryonen erhalten. Er will damit - wie berichtet - Therapien gegen Motorneuronen-Erkrankungen entwickeln. Das Schaffen von Klonbabys, die dasselbe Erbgut wie irgendeines gesunden Erwachsenen haben, lehnt er jedoch strikt ab.

Plädoyer fürs Klonen in Ausnahmefällen

Das Klonen von Menschen lehnt Wilmut aber nicht generell ab. In seinem Buch "After Dolly" plädiert er dafür, daß die bei Dolly entwickelte Methode in bestimmten Fällen auch bei Menschen angewendet werden soll. Wenn das Risiko bestehe, daß Kinder mit schweren Erbkrankheiten wie Zystische Fibrose oder Veitstanz geboren werden, dann müsse das Klonen erlaubt sein.

Wilmut beschreibt im Buch folgendes Procedere: Einem Embryo mit Erbfehler werden Zellen entnommen. Gentechnisch wird deren Erbgut korrigiert. Dieses Erbgut werde dann zum Klonen eines gesunden Embryos genutzt, der auch ausgetragen wird, schlägt Wilmut vor. Abgesehen von ethischen Problemen scheinen derzeit jedoch auch die technischen Hürden zum Klonen von Menschen kaum überwindbar.

Dolly selbst starb recht jung. Im Februar 2003 wurde das Schaf wegen einer fortschreitenden Lungenerkrankung im Alter von sechs Jahren eingeschläfert. Normalerweise werden Schafe zwischen zwölf und dreizehn Jahre alt, und Dollys früher Tod nährte Befürchtungen von Forschern, daß Klonen zu vorschneller Alterung führt.

Die Klonforscher versprachen, daß der Tod ihrer Kreatur nicht umsonst gewesen sei. Dolly als Märtyrerin für die moderne Medizin oder als eine Vorläuferin für neue Tiere, die der Wissenschaft Organe als Transplantate für Menschen liefern können. Seit Dolly ist alles anders, alles scheint möglich. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »