Ärzte Zeitung, 24.08.2006

KOMMENTAR

Druck auf Politiker wird wachsen

Von Peter Leiner

Sollte es sich bestätigen, daß embryonale Stammzellen, die durch eine Biopsie von Embryonen gewonnen werden, für die Forschung geeignet sind, ließe sich in Deutschland nur schwer die Stichtags-Regelung im Stammzellengesetz aufrecht erhalten.

Sie besagt, daß hier nicht an importierten embryonalen Stammzellen geforscht werden darf, die nach dem 1. Januar 2002 erzeugt worden sind. Damit soll unter anderem verhindert werden, "daß von Deutschland aus eine Gewinnung embryonaler Stammzellen oder eine Erzeugung von Embryonen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen veranlaßt wird", wie es im Stammzellengesetz vom Juni 2002 heißt.

Mit der in den USA entwickelten Methode werden aber keine Embryonen getötet. Sondern es wird ihnen nur jeweils eine Zelle während einer Biopsie - wie bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) mit genetischen Tests - entnommen. Der Embryo mit den übrigen Zellen würde dann in den Uterus übertragen. Bisherigen Erfahrungen in zehn europäischen Ländern und in den USA zufolge entwickeln sich in vitro gezeugte Kinder auch nach einer PID normal.

In Kürze werden also durch den Erfolg der US-Forscher Zellen zur Verfügung stehen, die den Anforderungen der Forscher besser gerecht werden als die alten Zell-Linien, die mit Methoden von vor mehr als vier Jahren hergestellt worden sind. Der Druck von Wissenschaftlern auf politische Entscheidungsträger wird deshalb zunehmen.

Lesen Sie dazu auch:
Humane Stammzellen nach Biopsie von Embryonen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »