Ärzte Zeitung, 12.09.2007

Heiße Spur zum längsten Stammbaum der Welt

Gentests von Forschern legen Verbindung zwischen Bronzezeitmenschen und heutigen Bewohnern im Südharz nahe

GÖTTINGEN (pid). Wissenschaftler der Universität Göttingen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit die längste Stammbaumlinie der Welt entdeckt.

Eine Mitarbeiterin des Instituts für historische Anthropologie präsentiert den Schädel des Bronzezeitmenschen "M 1" aus der Lichtensteinhöhle. Foto: Rink/pid

Bei einem weltweit einmaligen Forschungsprojekt haben sie durch genetische Untersuchungen festgestellt, dass vermutlich mehrere heutige Bewohner aus dem Südharz direkte Nachfahren eines bronzezeitlichen Familienverbandes sind, der vor rund 3500 Jahren in der Region gelebt hat. Die Ergebnisse der spektakulären Gentests wurden kürzlich in Göttingen vorgestellt.

Forscher konnten genetische Fingerabdrücke erstellen

Bereits vor einigen Jahren hatten Archäologen 40 Skelette von prähistorischen Südharzbewohnern in der Lichtensteinhöhle im Landkreis Osterode gefunden. Die Zähne und Knochen waren so gut erhalten, dass die Göttinger Experten vom Institut für historische Anthropologie genetische Fingerabdrücke der einzelnen Individuen erstellen und auch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zuordnen konnten.

Die Forscher wollten untersuchen, ob es eine Verwandtschaftslinie von den Bronzezeitmenschen zu heutigen Südharzbewohnern gibt. Dazu hatten sie im Januar die Bewohner der Dörfer Dorste, Förste, Eisdorf, Nienstedt, Marke, Ührde und Schwiegershausen um die freiwillige Abgabe einer Speichelprobe gebeten. 220 Einwohner nahmen an dem Gentest teil.

Die Untersuchungen ergaben, dass es zwei "heiße" Kandidaten für eine direkte Verwandtschaftslinie zu den Bronzezeitskeletten gibt. Die beiden Männer stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit von zwei damaligen Südharzbewohnern ab, die in der Höhle bestattet wurden. Die beiden Bronzezeitmenschen, denen die Forscher die Bezeichnungen "M1" und "M2" gaben, starben vermutlich im Alter von 50 bis 60 Jahren.

Genetisches Muster fand sich in keiner Datenbank

Obwohl das DNA-Muster der beiden heutigen Einwohner aus den Südharzdörfern nicht mit denen von M1 und M2 identisch ist, spricht eine Besonderheit dafür, dass die beiden Skelette ihre Urahnen sind: Beide Männer haben ein Y-chromosomales Muster, das bislang nirgendwo sonst auf der Welt aufgetaucht ist - außer bei den beiden Skeletten aus der Höhle. Hierbei geht es um bestimmte genetische Merkmale, die konstant in der väterlichen Familienlinie weitervererbt werden. In allen internationalen Datenbanken sei dieses Muster bisher nicht vertreten, berichteten die Wissenschaftler.

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