Ärzte Zeitung, 12.06.2008

Optimierte therapeutische Antikörper aus Moos

Pflanzliche Zellen machen Bakterien und tierischen Zellen Konkurrenz / Virusfreier Transfer der Fremd-DNA in die Mooszellen möglich

BENEDIKTBEUERN (wst). Als biotechnische Produktionsstätte von Antikörpern und anderen therapeutischen Proteinen bekommen Bakterien, Hamster- und Hefezellen jetzt grüne Konkurrenz: Moose. Recht einfach zu kultivieren, bietet dieser neue Typ von Produktionsorganismus zudem ein besonders günstiges Sicherheitsprofil.

Moose haben sich in der Evolution über sehr große Zeiträume als phylogenetisch äußerst stabil gezeigt. Das hat Dr. Gilbert Gorr von der Greenovation Biotech GmbH aus Freiburg in Benediktbeuern berichtet. Auch transgene Moos-Zelllinien haben sich in jahrelangen Laborbeobachtungen als resistent gegen Spontanmutationen erwiesen. Das ist für eine gleich bleibende biotechnische Produktion von erheblicher Bedeutung, wie es auf dem von der Bayern Innovativ GmbH ausgerichteten biopharmazeutischen Kooperationsforum hieß.

Die in Gorrs Unternehmen genutzten Zellen des Mooses Physcomitrella patens werden als Suspensionskultur in gläsernen röhrenförmigen Bioreaktoren gehalten. Alles was diese Mooszellen zum Überleben, zur Vermehrung und zur biotechnischen Produktionsumsetzung der transferierten genetischen Information brauchen, sind Wasser, Licht, CO2 und lediglich auf Mineralien basierende Nährstoffe. Das gewünschte Genprodukt wird von den transgenen Mooszellen, die sich etwa einmal pro Tag verdoppeln, in die Kulturlösung ausgeschüttet und kann dann aus dem Überstand isoliert werden.

Weder für die Polyethylenglykol- (PEG)-vermittelte Einschleusung der Fremd-DNA in Moosprotoplasten, noch im weiteren Produktionsprozess werden Viren, Bakterien oder Teile davon oder Produkte tierischer Herkunft benötigt. Das Risiko einer Verunreinigung ist also minimiert. Für einen pflanzlichen biotechnischen Produzenten therapeutischer Eiweißmoleküle spricht zudem, dass bislang keine humanpathogenen Viren aus Pflanzen bekannt sind und Moose selbst für botanische Verhältnisse äußerst virusarm sind. Jedenfalls ist bislang kein moosspezifisches Virus entdeckt worden.

Das Interesse an solchen Antikörpern, die mit ihrer Methode bereits produziert werden, sei rege, so Gorr. Einige Pharmaunternehmen beabsichtigen, mit seiner Firma zu kooperieren, andere täten dies bereits.

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Transgene Moos-Zelllinien sind äußert resistent gegen Spontanmutationen.

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