Ärzte Zeitung online, 07.07.2008

Stammzellforscher kritisieren deutsche Forschungspolitik

DRESDEN (dpa). Stammzellforscher haben die Forschungspolitik in Deutschland kritisiert. Sie erfolge primär unter Angst- und Missbrauchsgedanken, sagte der Dresdner Professor Gerhard Ehninger am Montag bei einem Internationalen Stammzellkongresses in Dresden.

Deutschland stehe bei der Forschung mit Gewebestammzellen gut da, bei embryonalen Stammzellen behinderten gesetzliche Rahmenbedingungen die Wissenschaftler. In Deutschland gelte als unsicher, was in anderen Ländern möglich sei. Aus diesem Grund würden deutsche Forscher bereits im Ausland arbeiten.

Noch bis Mittwoch tauschen über 600 Experten aus aller Welt ihre Forschungsergebnisse aus. Das "Treffen der Weltelite der Stammzellforscher" wird alle zwei Jahre vom DFG Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) organisiert. Stammzellforschung erstrecke sich in der Elbestadt von den Grundlagen bis zur klinischen Anwendung, so der Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik, Professor Wieland Huttner.

Trotz der Fristverschiebung befinde sich Deutschland im europäischen Vergleich im letzten Drittel, sagte Ehninger unter Verweis auf die mühsam erreichte Lockerung des Stammzellgesetzes. Danach dürfen vor dem 1. Januar 2007 statt vor dem 1. Januar 2002 gewonnene embryonale Stammzellen importiert werden. Er und seine Kollegen halten eine nachlaufende Stichtagsregelung für besser.

Zudem sollte wie in Großbritannien das therapeutische Klonieren erlaubt werden. Ehninger sieht in der Forschung "extremes Potenzial" für Innovation, die Entwicklung von Medikamenten und Therapien. Es gehe darum, Krankheiten zu heilen oder ihnen vorzubeugen.

Infoszum Kongress im Internet: www.stemcellcongress-dresden.org

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