Ärzte Zeitung online, 28.07.2009

Experten für Dialog über Synthetische Biologie

BERLIN(dpa). Experten führender Wissenschaftseinrichtungen haben sich für einen breiten gesellschaftlichen Dialog über das neue Forschungsfeld der Synthetischen Biologie ausgesprochen. Diese Zukunftstechnologie eröffne - wie schon die Gentechnik - große Chancen, berge aber auch Risiken.

So verwische die Synthetische Biologie "die Grenzen zwischen Lebendigem und Technisch-Konstruiertem", heißt es in einer am Montag in Berlin vorgelegten gemeinsamen Stellungnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).

Die Synthetische Biologie verbindet Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie und Informationstechnik. Sie zielt darauf, neue Impfstoffe und Medikamente, aber auch neue Kraftstoffe zu entwickeln. Bis zur Marktreife der Forschung zur Synthetischen Biologie "wird sicher noch viel Zeit vergehen", sagte Acatech-Präsident Reinhard Hüttl und nannte einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren.

Leopoldina-Präsident Volker ter Meulen teilte nicht die Besorgnis, dass die Wissenschaft "unzulässig in die Schöpfung der Natur" eingreife. Es sei aber notwendig, die Öffentlichkeit frühzeitig über die neue Forschungsdisziplin aufzuklären, Risiken und Chancen aufzuzeigen und "die ethische Reflexion zu ermöglichen". Dabei geht es auch um "nichtbeabsichtigte Nebenfolgen" der Synthetischen Biologie.

Gesetzlichen Handlungsbedarf sehen die Experten noch nicht, sie halten aber zum Teil neue Maßstäbe für die Risikobeurteilung für nötig. Hüttl sagte, die Synthetische Biologie eröffne Deutschland "die Chancen auf beachtliche Wirtschaftspotenziale. Das neue Forschungsfeld könne "neue Rohstoffquellen nutzen, natürliche Ressourcen sparen helfen und Abfälle vermeiden".

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