Ärzte Zeitung, 17.10.2005

Homöopathie ist bei vielen chronischen Erkrankungen wirksam

Wirksamkeit und Kosten der Homöopathie in Modellprojekt untersucht / Kinder profitieren von der Therapie besonders

KARLSRUHE (KHS). Die Wirksamkeit der Homöopathie steht der schulmedizinischen Behandlung bei vielen chronischen Erkrankungen in nichts nach, allerdings ist sie auch nicht billiger.

Das ist das Fazit eines Modellprojektes der IKK Hamburg, das Dr. Claudia Becker-Witt bei einem Kongreß der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe vorgestellt hat. Für das Projekt wurden die Daten von 315 Erwachsenen mit Kopfschmerzen, LWS-Syndrom, depressivem Syndrom, Schlafstörungen und chronischer Sinusitis sowie 178 Kinder mit allergischer Rhinitis, Asthma bronchiale und Neurodermitis ausgewertet.

Die mit diesen Patienten je nach Behandlungsart gebildeten Gruppen wurden für die Auswertung - jeweils für Kinder und Erwachsene - jedoch gepoolt, das heißt über die Diagnosen hinweg miteinander verglichen.

Becker-Witt, die am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheits-Ökonomie an der Charité in Berlin arbeitet, gewann die Patienten für die Teilnahme an der Studie über 101 ausschließlich homöopathisch tätige Vertragsärzte der IKK und über 59 Allgemeinärzte, HNO-Ärzte, Dermatologen, Pädiater und Orthopäden, die keinerlei unkonventionelle Therapien einsetzten.

Die Patienten hatten den jeweiligen homöopathisch oder schulmedizinisch orientierten Studienarzt aus eigenem Antrieb zur Erstbehandlung wegen ihres Krankheitsbildes aufgesucht.

Wichtigstes Kriterium war die Schwere der Symptome

Die prospektive und multizentrische, jedoch offene und nicht randomisierte Kohortenstudie der Arbeitsgruppe um Becker-Witt lief über eine Beobachtungszeit von einem Jahr mit Meßpunkten zu Beginn der Behandlung sowie nach 6 und nach 12 Monaten.

Den Patienten wurde dabei ein standardisierter Fragebogen vorgelegt, mit dessen Hilfe soziodemographische Daten ermittelt und krankheitsspezifische Beschwerden wie auch die empfundene Lebensqualität quantifiziert wurden.

Die wichtigsten Beurteilungs-Variablen waren die Schwere der Symptome im Urteil der Patienten und der Ärzte und die Lebensqualität der Erwachsenen. Außerdem lagen - nach Becker-Witts Kenntnis erstmals in einer Studie zur unkonventionellen Medizin - auch Krankenkassen-Kostendaten vor, die von der IKK zur Verfügung gestellt wurden.

Positiver Effekt zeigt sich nach sechs Monaten

Es zeigte sich, daß die Kinder in der Homöopathie-Gruppe sowohl nach Selbsteinschätzung, die meist von den Eltern abgegeben wurde, als auch aus Sicht der behandelnden Ärzte signifikant bessere Beurteilungen ihres Gesundheitszustandes abgaben als konventionell behandelte Kinder. Die Erwachsenen der Homöopathiegruppe beurteilten ihre Symptome ebenfalls signifikant deutlicher gebessert als die schulmedizinisch Behandelten.

Dieser Effekt zeigte sich allerdings nicht in den Arzteinschätzungen, die in beiden Gruppen etwa gleich ausfielen. Aufgrund der Subjektivität der Symptome hält Becker-Witt - obwohl selbst Ärztin - den Aussagewert der Patientenurteile jedoch für bedeutungsvoller.

Becker-Witt unterschied zwischen körperlicher und mentaler Lebensqualität. Die körperliche Lebensqualität habe sich in der Homöopathie-Gruppe bereits nach sechs Monaten wesentlich stärker gebessert als in der konventionell behandelten Patientengruppe.

Danach trat in beiden Gruppen bis zum 12. Monat eine Konsolidierung ein, also keine weitere statistische Verbesserung. Somit war nur der Unterschied nach sechs Monaten zwischen den Behandlungsgruppen signifikant, danach nicht mehr.

In Bezug auf die mentale Lebensqualität ergab sich kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Insbesondere blieben beide Patientengruppen unter dem Standardwert der deutschen Durchschnittsbevölkerung, wie er in der deutschen Version des von Becker-Witt verwendeten SF-36-Lebensqualitäts-Fragebogen angegeben ist.

Die Analyse der Kosten ergab - nach Alterskorrektur der Rohdaten - schließlich doch keinen Einspareffekt zugunsten der Homöopathie, wie ursprünglich vermutet wurde. Die homöopathische Behandlung senkte die Therapiekosten nicht, "aber es wurde auch nicht teurer für die Krankenkasse", betonte Becker-Witt.

Keinen Unterschied zwischen den Gruppen habe es in der Frage nach der Zufriedenheit mit der Behandlung ergeben, für Becker-Witt ein interessanter Befund, weil die Unzufriedenheit mit der Schulmedizin häufig als Grund für einen Wechsel zur Homöopathie angegeben werde.

FAZIT

Die Wirksamkeit der Homöopathie bei vielen chronischen Erkrankungen wird bei Kindern und bei ihren behandelnden Ärzten besser beurteilt als die Wirksamkeit von klassischen Verfahren. Auch Erwachsene beurteilen ihre Symptome durch Homöopathie ebenfalls signifikant stärker verringert als mit herkömmlichen Heilmethoden. Das ist das Fazit eines Modellprojektes der IKK Hamburg, das die Berliner Ärztin Dr. Claudia Becker-Witt bei einem Homöopathie-Kongreß in Karlsruhe vorgestellt hat.

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