Ärzte Zeitung, 29.06.2004

Weißdorn-Spezial-Extrakt macht müde Herzen wieder munter

Crataegus-Studie mit älteren Gesunden / Wohlbefinden steigt, Körperfett-Anteil sinkt

KÖLN (ts). Wenn das Herz nicht mehr so kann, wie es soll, ist Weißdorn (Crataegus) seit Jahrhunderten eine in der Naturmedizin bewährte Heilpflanze. Und seit einigen Jahren ist es sogar wissenschaftlich belegt, daß ein standardisierter Spezial-Extrakt der Heilpflanze ein müdes Herz wieder auf Trab bringt. Aber auch Menschen, die gesund und noch recht flott unterwegs sind, können sich und ihrem Herzen mit einem solchen Extrakt wohl noch etwas Gutes tun.

Diese radelnden Senioren zeigen es: Wer sich wohl und leistungsfähig fühlt, kann auch jenseits der 60 voll aktiv sein und das Leben genießen. Foto: dpa

Streng wissenschaftlich ist es zwar noch nicht bewiesen, daß ein Weißdorn-Extrakt nicht nur herzkranken, sondern auch gesunden Menschen wirklich mehr bringt als die angenehme Illusion, sich etwas Gutes zu tun. Aber Hinweise auf eine solche positive Wirkung einer Heilpflanze sind ja auch schon was wert.

Und wenigstens einen solchen Hinweis gibt es auch, und zwar aus einer kleinen, nicht-kontrollierten Untersuchung Hamburger Wissenschaftler, die jetzt auf einer Veranstaltung des Phytopharmaka-Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in Köln vorgestellt worden ist.

Es handelt sich um eine Untersuchung mit gesunden sportlichen Senioren, wie Professor Klaus-Michael Braumann von der Universität Hamburg berichtet hat. Die kleine Studie läuft noch, bislang liegen die Daten von 27 Probanden mit einem Durchschnittsalter von etwa 65 Jahren vor.

Fragestellung war, ob der standardisierte Weißdorn Extrakt Crataegutt® novo 450 die Leistungsfähigkeit der Probanden bessert. Probanden der Prüfgruppe erhielten täglich 900 mg des Extraktes, die Probanden-Vergleichsgruppe nichts. Daten von 19 Probanden der Prüfgruppe und acht der Kontrollgruppe wurden vorgestellt. Dauer der Beobachtung: acht Wochen.

Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde wie üblich ergometrisch einschließlich Spirometrie ermittelt. Außerdem wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens das psychische Befinden der Probanden analysiert. Wie Braumann berichtete, wurden bei der physischen Leistungsfähigkeit keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt, bestenfalls Tendenzen zugunsten der Interventionsgruppe; statistisch signifikante Unterschiede gab es zum Beispiel weder bei der maximalen relativen Leistung (Watt pro Kilogramm Körpergewicht) noch bei der maximalen Sauerstoffaufnahme.

Deutliche Unterschiede seien dagegen beim psychischen Wohlbefinden festgestellt worden. Und: Bei jenen neun Probanden, die während der Behandlung mit dem Spezial-Extrakt ein verbessertes Wohlbefinden verspürten, sank der prozentuale Körperfettanteil um etwas mehr als zwei Prozentpunkte, ein Befund, für den es nach Aussage von Braumann derzeit aber noch keine hinreichende Erklärung gibt.

Für Braumann sind die von ihm präsentierten Daten selbstverständlich noch keine beweisenden Daten im Sinne der Evidenz-basierten Medizin. Braumann: "Die Dauer der Beobachtung und Zahl der Probanden ist zu gering."

Aber für Menschen, die sich, ihrem Wohlbefinden und damit ihrer Leistungsfähigkeit etwas Gutes tun wollen, scheint der pflanzliche Extrakt durchaus eine Option zu sein.

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