Ärzte Zeitung, 10.03.2005

Verstärkte Suche nach neuen pflanzlichen Arzneimitteln

Unternehmen Bionorica gründet neues Forschungszentrum / Schwerpunkte in Innsbruck liegen bei Atemwegstherapeutika und Schmerzmitteln

INNSBRUCK (sto). Bei den pflanzli-chen Arzneimitteln ist Deutschland noch immer die Apotheke der Welt. Und das soll auch so bleiben, meint Professor Michael Popp, Vorstand der Bionorica AG. Für Forschung und Entwicklung gibt das mittelständische Familienunternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz deshalb jährlich etwa 15 Prozent seines Umsatzes aus.

"Wir sind ein forschungsgetriebenes Unternehmen", betonte Popp bei einer Feierstunde zur Gründung einer neuen Forschungszentrale, der Bio-norica Research GmbH, in Innsbruck. Dort soll in Kooperation mit langjährigen Forschungspartnern der Bionorica AG ein Zentrum zur Entwicklung moderner pflanzlicher Arzneimittel entstehen.

Daß das Unternehmen sein neues Forschungszentrum ausgerechnet in Innsbruck einrichtet, ist kein Zufall. Zum Teil seit mehr als 15 Jahren arbeitet das Unternehmen bereits mit dem Institut für Analytische Chemie, dem Institut für Pharmazeutische Biologie, dem Institut für Botanik, dem Institut für Pharmakologie sowie mit dem Institut für Ionenphysik zusammen. Zu den Kooperations-partnern in der Region gehören au-ßerdem die Firmen Biocraters Life Sciences und Ionimed, berichtete Popp.

Auch Bayern wollte ein Forschungszentrum

Gefördert wird das Vorhaben, das immerhin ein Investitionsvolumen von 2,5 Millionen Euro aufweist, je zu einem Viertel von der Österreichischen Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung und der Tiroler Zukunftsstiftung. Die andere Hälfte der Investitionen wird vom Unternehmen getragen.

Damit verfüge Österreich nun über die erste private Einrichtung, die sich ausschließlich mit der Erforschung und Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel beschäftigt, erklärte Popp und gab zu verstehen, daß sich auch Bayern bemüht habe, das Forschungszentrum zu bekommen. "Die Rahmenbedingungen waren in Österreich aber besser", sagte Popp.

Durch die Gründung der neuen Forschungszentrale in Innsbruck solle die weitere Erforschung und Entwicklung von pflanzlichen Wirkstoffen in Verbindung mit hocheffektiver Analytik und unter Einsatz neuester Verfahrenstechniken ("engineering") ermöglicht werden, hieß es bei der Gründungsfeier. Ziel sei es, in kürzester Zeit mit modernen Methoden neue innovative pflanzliche Arzneimittel und/oder Arzneimittel auf der Basis von Naturstoffen zu entwickeln.

Die Forschungsschwerpunkte in Innsbruck liegen vor allem bei Atemwegstherapeutika und der Schmerzbekämpfung bei Multipler Sklerose und Spastik, teilte das Unternehmen mit. So sind Neuentwicklungen von pflanzlichen Arzneien gegen Sinusitis und allergische Rhinitis geplant. Derzeit werden fünf potentielle Wirkstoffe auf ihre Eignung geprüft.

Bei der Indikation Schmerzbe-kämpfung und Spastik setzt man im Innsbrucker Forschungszentrum auf Dronabinol, dem verkehrsfähigen Wirkstoff aus der Cannabis-Pflanze. Dieser Wirkstoff ermögliche völlig neue begleitende Therapiekonzepte bei Patienten, die unter chronischem, etwa neuropathischem Schmerz leiden, aber auch bei Menschen mit Krebs, Aids oder Multipler Sklerose, hieß es.

Erste Pilot-Studien seien bereits angelaufen. Angestrebt werden Zulassungen für pflanzliche Arzneimittel unter anderem gegen Erbrechen bei Chemotherapie sowie gegen Anorexie bei Aids-Patienten.

Zu den Aufgaben des Forschungs-zentrums, in dem außer dem Geschäftsführer Dr. Eberhard Pirich zunächst drei Mitarbeiter tätig sind, gehören vor allem die Planung, Durchführung und Koordination klinischer Studien sowie die Erstellung von Registrierungs-Dokumentationen. So sind in nächster Zeit klinische Studien auch in den Universitätskliniken in Innsbruck und Wien geplant.

In den Instituten, die mit dem For-schungszentrum bei den verschie-denen Aufgabestellungen zusam-menarbeiten, werden im Zusammenhang mit dem Forschungszentrum sechs zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter geschaffen. Damit solle einer Abwanderung von jungen Wissenschaftlern aus Österreich ins Ausland entgegengewirkt werden.

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