Ärzte Zeitung, 04.05.2005

BUCHTIP

Gewächse für Rausch und Magie

Alraune und Bilsenkraut, Tollkirsche und Fliegenpilz - diese in Europa seit Jahrtausenden bekannten und einst weit verbreiteten Gewächse beschwören die Vision von Rausch, Magie und Zauberkunst herauf.

Die wohl berühmteste der bewußtseinsverändernden Pflanzen, die die Pharmakologin Angelika Prentner sämtlich in ihrem Buch vorstellt, ist die Alraune - abgeleitet von Alb (Kobold) und raunen (flüstern). Viele Mythen ranken sich um dieses Gewächs, dessen menschenähnliche Wurzel als ein in die Erde wachsender Homunkulus galt: Es sollte die Zukunft prophezeien, Glück bringen und Krankheiten heilen.

Anders als in Australien, wo keine natürlichen Halluzinogene verwendet wurden, besaßen solche Pflanzen - allen voran der Peyote-Kaktus - in Südamerika einen einmaligen kulturellen Stellenwert. Als heilig verehrt, dienten sie dort der Therapie bei Krankheiten. Da sie außerdem Stimmung, Denken und Wahrnehmung verändern, nutzten die Schamanen sie als Brücke zum Reich der Götter und Ahnen.

Entgegen diesem traditionellen und verantwortungsbewußten Gebrauch werden sie im heutigen westlichen Kulturkreis ungeachtet der Suchtgefahr nur noch als Rauschmittel eingenommen. Das Wissen jedoch um ihren schillernden Charakter, besonders ihre Heilkraft, ist hier durch Inquisition und Hexenverfolgung verloren gegangen.

So ahnt auch kaum noch jemand, daß Wohnung und Garten, Wiesen und Wälder von drogenhaltigen Pflanzen bevölkert sind: Engelstrompeten im Park, Kakteen auf der Fensterbank, Trichterwinden am Gartenzaun oder Krokusse im Frühlingsbeet.

Das schön bebilderte, leicht verständliche Buch macht das alte Wissen wieder lebendig - ein gedrucktes Herbarium für Jugendliche, Eltern, Lehrer, Ärzte und Apotheker. (ars)

Angelika Prentner, Bewußtseinsverändernde Pflanzen von A bis Z, Springer, Wien, 2005, ISBN 3-211-23524-8, 270 S. 56 farb. Abb., 29.80 EUR

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »