Ärzte Zeitung online, 29.07.2009

Fitness ohne Training durch "Phytodoping" ?

COLUMBIA(ob). Ganz ohne Trainingsanstrengung die körperliche Fitness verbessern - diese "bequeme" Leistungssteigerung scheint mit dem Wirkstoff Quercetin möglich zu sein. Ein neuer Fall für die Dopingkontrolleure?

Fitness ohne Training durch "Phytodoping" ?

Äpfel essen als Phytodoping? Da müssten es schon knapp 100 Stück täglich sein.

Foto: Jana Müller©www.fotolia.de

Das Polyphenol Quercetin - sein Name verweist auf eine Beziehung zur Eiche (lateinisch Quercus) - kommt in höherer Konzentration etwa in Zwiebeln, Äpfeln oder Brokkoli vor. Dem Pflanzenfarbstoff werden starke antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben.

Ein US-Forscherteam um Dr. J. Mark Davis an der Universität in Columbia hat seit einiger Zeit eine weitere potenzielle Wirkung im Visier. Im Tierexperiment fand die Gruppe Anhaltspunkte dafür, dass Quercetin auch die Biogenese der Mitochondrien, die als biochemische "Kraftwerke" der Zellen gelten, verbessern kann. In der Studie war die Verbesserung der mitochondrialen Biogenese mit einer erhöhten Ausdauerkraft assoziiert.

Lässt sich mit dem Polyphenol Quercetin auch bei Menschen die Fitness ohne die Mühsal eines schweißtreibenden Ausdauertrainings verbessern? Die Antwort brachte kürzlich eine kleine Studie bei zwölf gesunden, aber sportlich untrainierten Probanden. Diese erhielten jeweils sieben Tage lang entweder zweimal täglich ein Präparat mit 500 mg reinem Quercetin oder Placebo. Am Beginn und am Ende der einwöchigen Behandlungsperiode stand jeweils ein Belastungstest auf dem Fahrradergometer.

Die Einnahme von Quercetin war mit einer moderaten Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2) um 3,9 Prozent assoziiert, berichten die Forscher im "International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism". Deutlicher war die Verbesserung beim Parameter Zeit bis zur Erschöpfung (time to fatigue), die um 13,2 Prozent verlängert wurde. Die Autoren schlussfolgern: Quercetin verbesserte bei Untrainierten die Ausdauerleistung in einem Maße, wie es sonst nur durch konsequentes Training zu erreichen ist.

Ob das neue Möglichkeiten nicht nur zum Doping, sondern auch zur Krankheitsprävention eröffnet, bleibt abzuwarten.

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