Freitag, 27. Februar 2015
Ärzte Zeitung, 26.01.2009

Antibiotikum gegen Reise-Diarrhoe wirkt nur im Darm

Seit September ist in Deutschland ein neuartiges orales Breitspektrum-Antibiotikum zur Behandlung von Erwachsenen mit Reisediarrhoe zugelassen.

Von Tomas Jelinek

Bei dem Präparat handelt es sich um Rifaximin (Xifaxan®), ein halbsynthetisches Derivat von Rifamycin. Das Besondere an Rifaximin ist, dass es bei oraler Anwendung nur zu weniger als 1 Prozent resorbiert wird und somit nur lokal im Darm wirkt. Das Wirkspektrum umfasst die meisten nicht invasiven grampositiven, gramnegativen, aeroben und anaeroben Bakterien, die Darminfektionen verursachen können. Gegen invasive Erreger ist die Substanz nicht ausreichend wirksam, da sie nicht systemisch aufgenommen wird.

Bei einer multizentrischen Studie in mehreren mittelamerikanischen Ländern und in Kenia konnte die Dauer des Reisedurchfalls von durchschnittlich 60 Stunden mit Placebo auf etwa 33 Stunden mit Rifamixin signifikant verkürzt werden. (Am J Gastroenterol 98, 2003, 1073).

Da die Erreger von Darminfektionen regional unterschiedlich verteilt sind, kann die Wirksamkeit von Rifamixin je nach Reiseland variieren. Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut treten bei etwa 1 bis 2 Prozent der Anwender auf.

Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 600 mg (dreimal eine Filmtablette) bis maximal 800 mg (zweimal zwei Filmtabletten). Die Behandlungsdauer sollte drei Tage nicht überschreiten. Bei länger anhaltenden Durchfällen, Fieber oder Blutbeimengungen muss eine weitergehende Diagnostik vorgenommen werden. Über die Anwendung bei Kindern liegen bisher keine Erfahrungen vor.

Für die Prophylaxe der Reise- Diarrhoe ist Rifamixin in Deutschland bisher nicht zugelassen.

Infos zur Reisemedizin unter: www.crm.de

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Typ-1-Diabetes: Frauen verlieren mehr Lebenszeit

Frauen leben im Allgemeinen länger als Männer. Dieser Vorteil geht aber bei Typ-1-Diabetes verloren: Frauen verlieren im Vergleich deutlich mehr Lebensjahre. mehr »

Niels H. verurteilt: Lebenslang für mordenden Pfleger

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. muss wegen Mordes lebenslang in Haft. Er hatte mehrere Patienten eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt, viele starben daran. mehr »

Selbstzahlerleistungen: MDS lässt kein gutes Haar an IGeL

Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes feiert den dritten Geburtstag seines kritischen Portals IGeL-Monitor. Aus diesem Anlass holt er erneut zu einer Generalkritik aus: Die meisten Selbstzahlerleistungen seien nicht nur nutzlos, sondern teils sogar schädlich. mehr »