Ärzte Zeitung, 25.10.2004

Verschmutzte Luft im Verkehr löst offenbar Herzinfarkte aus

Infarktrate nach Bus- und Autofahrten dreifach erhöht / Epidemiologische Studie 

NEUHERBERG (eis). Für Menschen mit kardiovaskulären Risiken ist verschmutzte Luft im Verkehr gefährlich. So ist die Rate von Herzinfarkten nach einer Fahrt mit Auto, Bus oder Rad um den Faktor drei erhöht, wie eine epidemiologische Studie in Augsburg ergeben hat. Die Forscher vermuten, daß die Infarkte dabei unter anderem durch Schmutzpartikel in der Luft ausgelöst werden.

Dieselqualm und andere Luftverschmutzungen gefährden Menschen mit kardiovaskulären Risiken. Foto: dpa

Ziel der Studie war es, Zusammenhänge zwischen Herzinfarkten und Teilnahme am Straßenverkehr zu untersuchen, wie Dr. Annette Peters vom GSF-Institut für Epidemiologie in Neuherberg und ihre Kollegen berichten (NEJM 351, 2004, 1721).

Für die Studie wurden Daten aus dem bevölkerungsbasierten KORA-Register (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) analysiert. Alle Herzinfarkt-Patienten, die in einem Zeitraum von 2,5 Jahren in elf Kliniken in Augsburg und Umgebung behandelt worden waren, wurden dabei nach Art und Dauer ihrer Aktivitäten am Tag des Infarkts und an den vier vorangehenden Tagen befragt. Insgesamt wurden Daten von 691 Patienten analysiert.

Ergebnis: Bei den Patienten war die Rate der Herzinfarkte binnen einer Stunde nach Teilnahme am Straßenverkehr etwa dreimal höher als in anderen Stunden. Zum Vergleich: nach schweren körperlichen Belastungen war die Infarkt-Rate etwa sechsfach erhöht und in der Stunde nach dem Aufstehen morgens - in der das Infarkt-Risiko als besonders hoch gilt - 1,7fach erhöht.

Aufgeschlüsselt nach Verkehrsmitteln traten Infarkte am häufigsten nach Autofahrten auf (72 Prozent), gefolgt von Radfahrten (16 Prozent), Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen oder Straßenbahnen (10 Prozent) und mit Motorrädern (2 Prozent).

Da die Ereignisrate besonders auch nach Fahrten in Bussen erhöht war, vermuten die Forscher weniger den Streß am Steuer als Auslöser der Herzinfarkte sondern vor allem verschmutzte Luft. Dies legen auch Tierversuche nahe. Die Inhalation von Schmutzpartikeln kann zu systemischen Entzündungsreaktionen führen, so Dr. Peter Stone von der Harvard-Medical School in einem Kommentar zu der Studie (NEJM 351, 2004, 1716). Und dies begünstige Rupturen instabiler Plaques.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »