Ärzte Zeitung, 30.08.2005

Umweltmediziner fordern mehr Testreihen für Chemikalien

Im Herbst beginnt im EU-Parlament die erste Lesung zur Chemikalien-Richtlinie REACH / Leitfaden informiert Ärzte über Gesundheitsgefahren

NEU-ISENBURG (ine). In einem Leitfaden für Ärzte und Pflegende klären Umweltmediziner und Naturschützer über die Gesundheitsgefahren durch Chemikalien auf.

An Ärzte richtet sich der neue Leitfaden des Bund für Umwelt- und Naturschutz.

Im Mittelpunkt des Ratgebers "Weniger Chemie - mehr Gesundheit" steht die Information über die geplante REACH-Richtlinie der Europäischen Union, durch die Chemikalien genauer als bisher auf ihre Gesundheitsfolgen geprüft werden sollen. Die Richtlinie sieht vor, daß gesundheitsgefährdende Substanzen - etwa in Farben, Lacken oder Baustoffen - früher entdeckt, ihre Verwendung beschränkt oder vom Markt genommen werden können.

Für eine strenge EU-Chemikalienpolitik hat sich auch der Zusammenschluß europäischer Ärzte (CPME) ausgesprochen. Viele Menschen wissen wenig über die Auswirkungen von Chemikalien auf ihre Gesundheit, warnen die Ärzte.

In den vergangenen 50 Jahren seien über 30 000 neue Chemikalien auf den Markt gebracht worden, die zuvor nicht auf ihre Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit getestet worden sind. Die Richtlinie der EU-Kommission soll das ändern. Wie weit die Regelungen gehen, hängt von den politischen Verhandlungen in Brüssel ab.

In diesem Herbst beginnt die erste Lesung der Richtlinie im Europäischen Parlament. Der Deutsche Bundesverband der Umweltmediziner und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) appellieren auch Ärzte und Pflegende, sich mehr zu engagieren. "Das Fehlen von wichtigen Testdaten für die meisten Chemikalien ist ein ernstes Problem für medizinische Fachkräfte, die ihre Patienten schützen wollen", heißt es in dem Leitfaden. Ärzte hätten zudem die medizinische Kompetenz, um eine Verbindung zwischen Krankheit und Chemikalien zu erkennen.

Die Umweltmediziner fordern unter anderen mehr Testreihen, um mögliche krebserregende, erbgut- oder fortpflanzungsschädigende Eigenschaften einer Substanz erkennen zu können.

Wird der Richtlinienvorschlag konsequent umgesetzt, könnten jährlich etwa 12 000 berufsbedingte Hautkrankheiten und 4300 Krebstodesfälle, die auf die Belastung mit krebserregenden Chemikalien am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, vermieden werden - behaupten die Befürworter der geplanten Richtlinie.

Weitere Infos zum Leitfaden im Internet: www.bundgegengift.de

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