Ärzte Zeitung, 25.07.2006

Ärzte leben weniger gefährlich als Eisenbahnschaffner

Nur selten gehen Kollegen wegen Berufsunfähigkeit in Rente / Versicherungsexperten mahnen aber dennoch zur Absicherung

KÖLN (iss). Ärzte sind die Berufsgruppe mit dem geringsten Risiko einer Berufsunfähigkeit. Das zeigt eine Untersuchung des renommierten Versicherungsfachdienstes "map-report".

In einer Auflistung der "ungefährlichsten Berufe" stehen Mediziner an der Spitze, noch vor Physikern, Mathematikern, Apothekern und Angehörigen geistlicher Orden. Den gefährlichsten Berufen gehen danach Gleisbauer und Eisenbahnschaffner nach.

Zugrunde liegen der Erhebung allerdings die Daten der gesetzlichen Rentenversicherung aus den Jahren 1995 bis 2004. Erfaßt sind also die Zeiten, in denen Ärzte Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung waren - entweder pflichtversichert als angestellte Ärzte oder als freiwillige Mitglieder.

Bei diesen Kollegen waren in den untersuchten zehn Jahren nur 6,2 Prozent der Rentenzugänge auf eine Erwerbsunfähigkeit zurückzuführen. Bei den Gleisbauern waren es 67,1 Prozent.

Das vergleichsweise geringe Risiko bedeute aber nicht, daß der Abschluß einer Berufsunfähigkeitsrisiko für Ärzte keinen Sinn macht, sagt der Autor der Untersuchung, Reinhard Klages. Berufs- oder erwerbsunfähig könne man nicht nur durch berufsbedingte Erkrankungen, sondern auch durch Unfälle werden.

"Angesichts der moderaten Preise kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung nie eine falsche Investition sein", so Klages. Sie sei insbesondere dann wichtig, wenn die Familie vom Einkommen des Freiberuflers abhängt.

Klages verweist darauf, daß in den vergangenen zehn Jahren etwa jeder fünfte Erwerbstätige berufs- oder erwerbsunfähig geworden ist. Obwohl die Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung gerade für jüngere Menschen unbestritten sei, hätten insbesondere große Versicherungskonzerne offensichtlich wenig Interesse an den Policen, kritisiert Klages.

Allein im vergangenen Jahr ist nach seinen Erhebungen der branchenweite Bestand an diesen Verträgen um 150 000 gesunken. "Die deutschen Lebensversicherer jammern über schlechte Geschäfte, versagen aber sowohl in der Risiko-, Pflege- als auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung auf ganzer Linie", sagt Reinhard Klages.

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