Ärzte Zeitung, 14.02.2007

HINTERGRUND

Feinstaub auch im Büro? Noch weiß niemand genau, ob Dreck aus Druckern den Atemwegen schadet

Von Philipp Grätzel von Grätz

"Toner gefährdet die Gesundheit" oder "Die Kartusche der Pandora" -das sind nur zwei Schlagzeilen aus Tageszeitungen der letzten Zeit. Seit das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Ende Januar die ersten Resultate der so genannten Tonerstudie bekannt gegeben hat (wir berichteten), schlagen die Wellen hoch. Doch wie groß ist das Risiko wirklich? Kann Tonerstaub, der von Laserdruckern und Laserkopierern in die Büros und zunehmend auch in die Privatwohnungen geblasen wird, für die Lungen wirklich zum Problem werden?

Eine Frau arbeitet in einem Druckerraum. Tonerstaub aus Laserdruckern steht im Verdacht, bei einigen Menschen Atemprobleme auszulösen. Foto: imago / F. Baptista

Bei 30 Prozent der Büros lag die Staubbelastung über 20 µg/m3

Eigentlich gibt es zu Atemproblemen durch Toner bislang nur wenige Untersuchungen. Definitive Aussagen seien daher kaum möglich, argumentiert einer, der es wissen muss: Professor Volker Mersch-Sundermann vom Institut für Innenraum- und Umwelttoxikologie der Universität Gießen. Mersch-Sundermann hatte die Federführung bei der BfR-Studie zum Tonerstaub. In der Studie wurde die Staubkonzentration in 63 Büroräumen von insgesamt neun Gebäuden ermittelt, und zwar vor und nach Inbetriebnahme der dort vorhandenen Lasergeräte.

Die Studie habe gezeigt, dass in Büroräumen teilweise viel zu hohe Staubbelastungen auftreten, und dass Laserdrucker diese Staubbelastung maßgeblich verstärken können, sagte der Toxikologe zur "Ärzte Zeitung". In 30 Prozent der Räume wurde eine Gesamtstaub-Belastung von über 20 µg/m3 gemessen. In einigen Büros wurde sogar der EU-Grenzwert für die maximale Feinstaubkonzentration im Freien von 40 bis 50 µg/m3 überschritten, so Mersch-Sundermann.

Dabei gab es aber Unterschiede zwischen den verschiedenen Stäuben. Flüchtige organische Substanzen, die oft mit möglichen Gesundheitsproblemen bei Tonern in Verbindung gebracht werden, wurden nur in geringem Umfang gefunden.

Gerade bei diesem Feinstaub zeigte sich, wiederum in einigen und nicht in allen Fällen, auch eine deutliche Korrelation zum Betrieb der Laserdrucker. In dem Augenblick, wo der Druckvorgang startete, kam es in vielen Messreihen zu einem Maximum bei der Staubbelastung. So verdreifachte sich die Feinstaubkonzentration in 31 untersuchten Räumen, sobald die Laserdrucker angeschaltet wurden. Während des Druckbetriebs ging die Belastung dann leicht zurück, um beim nächsten Druckauftrag wieder anzusteigen.

Die entscheidende Frage ist jetzt, was diese Messungen für die Gesundheit bedeuten. Hier scheiden sich die Geister. Hans-Joachim Stelting von der Interessengemeinschaft Tonergeschädigter ist davon überzeugt, dass die respiratorischen Probleme, über die viele Büroangestellte berichten, mit dem Tonerstaub zusammenhängen. "Wir empfehlen, dass Betroffene ihre Beschwerden systematisch untersuchen lassen", so Stelting zur "Ärzte Zeitung".

Er verweist darauf, dass bei Menschen mit respiratorischen Problemen ein Allergietest auf Tonerstaub oft positiv ausfalle. Tatsächlich gibt es eine Untersuchung des Allergologen Dr. Jürgen Palm aus Röthenbach, bei der 28 Menschen mit respiratorischen Beschwerden in Büroräumen allergologisch untersucht wurden. 71 Prozent dieser Patienten hatten einen positiven Epikutantest gegenüber mitgebrachtem, in einer Testlösung aufgelöstem Toner, 54 Prozent gegenüber Nickel und 25 Prozent gegenüber Kobalt - beide Metalle sind in Toner häufig nachweisbar.

Symptome deuten auf Allergie vom Typ-I, die Tests auf Typ-IV

Eines der Probleme bei dieser Beobachtung ist, dass die Betroffenen mehrheitlich über respiratorische Probleme berichten, die an eine Typ-I-Allergie erinnern, also an eine Allergie, die sofort nach Allergen-Kontakt auftritt. Stelting bestätigt das: "Die Drucker werden angeschaltet, und die Beschwerden gehen zum Teil sofort los."

Ein positiver Epikutantest allerdings deutet eher in Richtung einer Typ-IV-Allergie, also einer Allergie, die verzögert auftritt. Und auch Nickel und Kobalt, die im Tonerstaub enthalten sein können, sind Typ-IV-Allergene. Die nasalen Provokationstests dagegen fielen in Palms Untersuchungsreihe nur bei drei von acht Patienten prompt positiv aus.

Toner und Tonerstaub sind nicht dasselbe

Mersch-Sundermann sieht bei dieser Art von Studien noch ein anderes Problem: "Toner und Tonerstaub sind nicht dasselbe", so der Experte. Mit anderen Worten: Ob das, was durch aufgelösten Toner im Provokationstest getestet wird, wirklich das ist, was im Büro die Probleme macht, ist zumindest fraglich, und sollte weiter untersucht werden.

Der nächste Schritt in dieser Richtung ist jetzt die Veröffentlichung des klinischen Teils der BfR-Studie, die für Ende Februar ansteht. In den untersuchten Büros wurden die Angestellten befragt und deren Lungenfunktion gemessen. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass in den Büros mit höherer Staubbelastung mehr Probleme auftreten, wäre das zumindest ein weiteres Indiz. "Hilfreich wären auch gezielte Tierversuche. Außerdem haben wir dem BfR Provokationstests bei gesunden Freiwilligen vorgeschlagen", so Mersch-Sundermann. Entschieden ist darüber bisher noch nicht.

FAZIT

In einigen Büros ist die Feinstaubbelastung relativ hoch. Ursache dafür ist offenbar Tonerstaub, der aus Lasergeräten freigesetzt wird. Ob und in welchem Umfang die Staubbelastung zu Atemwegsbeschwerden führt, ist noch weitgehend unklar. Möglicherweise sind einige Menschen gegen Kobalt- und Nickel-Verbindungen im Tonerstaub allergisch. Allergietest liefern jedoch oft widersprüchliche Ergebnisse. (eb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gefahr wohl nur für Allergiker

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