Ärzte Zeitung, 24.02.2005

Küchenschwämme gegen Adipositas

Berliner Initiative hat Erfolg mit Bewegungsprogramm für Kinder im Vorschulalter

BERLIN (ami). Ärzte beobachten bereits bei Kindern zunehmende Probleme mit Übergewicht, erhöhtem Blutdruck und Stoffwechselstörungen. Dagegen kann Frühprävention im Kindergartenalter erfolgreich sein. Das zeigt das Berliner Projekt "Fitness für Kids".

Bei dem wissenschaftlich begleiteten Bewegungsprogramm für Kindertagesstätten (Kitas) wurde nach zwei Jahren Laufzeit ein positiver Einfluß auf die motorischen Fähigkeiten und den Blutdruck der Kinder festgestellt.

"Die Studienergebnisse zeigen signifikante Verbesserungen bei allen gemessenen motorischen Parametern und beim Blutdruck", so Dr. Kerstin Ketelhut, Projektleiterin und Präventionsbeauftragte der Berliner Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (BGPR), die das Projekt gefördert hat.

Im März 2002 gingen die ersten Übungsleiter in sechs Berliner Kitas im sozial schwierigen Bezirk Mitte, um dort 160 dreieinhalbjährige Kinder einmal pro Woche in Bewegung zu bringen. Mit Bewegungsspielen, -geschichten, -liedern, kleinen Tänzen und Übungen mit Alltagsgegenständen sollten die Kinder zu mehr körperlicher Aktivität angeregt werden. Dabei halten sie Luftballons mit Fliegenklatschen in der Luft, balancieren Küchenschwämme auf dem Kopf oder rennen so schnell, daß ein Zeitungspapier vor ihrem Bauch nicht hinunterfallen kann.

Gleichzeitig werden die Erzieherinnen geschult und mit Material für die Bewegungsstunden ausgestattet, damit sie zusätzlich zweimal wöchentlich in Eigenregie Bewegungsangebote für die Kids vorhalten können. Nach sechs Monaten ziehen sich die Übungsleiter zurück. Die geschulten Erzieher nehmen die Bewegungsprogramme selbst vor.

"Es ist viel sinnvoller, den Bewegungsdrang der Kinder früh zu nutzen und mit der Förderung zu beginnen, bevor sich erste Defizite und Vorschädigungen eingestellt haben", so Ketelhut. Sie hat auch beobachtet, daß sozial benachteiligte Kinder, deren Motorik anfangs deutlich schlechter ausgebildet war als die von Kindern der Mittel- und Oberschicht, besonders von der Förderung profitieren.

Inzwischen wird das Bewegungsprogramm in 31 weiteren Berliner Kitas umgesetzt, und es soll in den regulären Kita-Alltag integriert werden. Die Kosten sind mit 400 Euro pro Kita vergleichsweise niedrig.

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