Ärzte Zeitung, 04.04.2005

Schwergewichtige Jungen haben oft schon Leberschäden

Neue Daten zu metabolischen Veränderungen bei Jugendlichen mit Übergewicht / Im Ultraschall fallen oft erste Zeichen einer Fettleber auf

MANNHEIM (gvg). Kinder mit Übergewicht haben oft schon in jungen Jahren erste metabolische Veränderungen, wie sie auch für eine manifeste Atherosklerose typisch sind. Männliche Jugendliche haben darüber hinaus oft schon eine Fettleber.

Das sind die Ergebnisse einer Studie, die auf dem Kardiologen-Kongreß in Mannheim vorgestellt wurde. Für die Studie wurden die Daten von 378 Jugendlichen zwischen zwölf und 20 Jahren ausgewertet. Sie gehörten zu den 2445 Probanden einer umfassenden repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung des Allgäus für ein Echinococcus-Screening-Programm.

"Insgesamt waren 15 Prozent der Mädchen und zwölf Prozent der Jungen übergewichtig", berichtete Dr. Armin Imhof von der Universität Ulm. Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit den Resultaten anderer Studien zur Prävalenz von Übergewicht in Deutschland. "Übergewicht" war dabei definiert als ein Body-Mass- Index jenseits der altersspezifischen neunzigsten Perzentile, wobei für die Festlegung der Perzentilen Körpergewichts-Daten der 90er Jahre benutzt wurden.

Verglichen mit den Jugendlichen mit normalem Gewicht hatten die übergewichtigen beiderlei Geschlechts signifikant höhere Triglyzeridspiegel im Blut. Außerdem waren bei männlichen Jugendlichen das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin erhöht.

"Bei beiden Geschlechtern fanden wir zudem vermehrt Fibrinogen und C-reaktives Protein, sodaß von einem deutlich proinflammatorischen Status bei übergewichtigen Jugendlichen gesprochen werden kann", sagte Imhof. Diese Veränderungen sind auch typisch für eine manifeste Atherosklerose bei Erwachsenen.

Genauer unter die Lupe nahmen die Ulmer die Leber. Dabei stellten sie fest: Ein Drittel der übergewichtigen männlichen Probanden (acht von 22) hatten im Ultraschall bereits Zeichen einer Fettleber. Passend dazu waren bei diesen Jugendlichen auch die Transaminasen und der Wert für die Gamma-GT im Sinne eines beginnenden Leberschadens erhöht. Die Mädchen schnitten hier besser ab: Keine der insgesamt 29 übergewichtigen jungen Frauen hatte eine Fettleber.

Imhof bringt das mit der unterschiedlichen hormonellen Entwicklung bei Mädchen und Jungen in Zusammenhang, die einer Leberverfettung bei Mädchen und jungen Frauen entgegen wirkten.

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