Ärzte Zeitung, 29.04.2005

"Obeldicks"-Kinder verlieren langfristig an Gewicht

Evaluation des Abnehm-Programms belegt dessen Nutzen

DATTELN (run). Für übergewichtige Kinder werden viele ambulante und stationäre Abnehmprogramme angeboten - mit zunächst oft gutem Diät-Erfolg. Ob die Teilnehmer nach einem solchen Programm aber die Pfunde langfristig loswerden, ist bisher kaum bekannt.

Sport ist ein wichtiger Baustein in Therapieprogrammen für übergewichtige Kinder. Foto: dpa

Für das ambulante Adipositas-Programm "Obeldicks" ist nun nachgewiesen worden: Die Gewichtsreduktion hielt bis zu vier Jahre nach Behandlungsende an.

"Obeldicks" ist ein Modellprojekt, das seit 1999 an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln angeboten wird. An dem Programm können adipöse, fünf- bis fünfzehnjährige Kinder mit einem BMI über der 97. Perzentile teilnehmen. Seit 2001 wird das Programm gekoppelt mit der vorherigen aktiven Teilnahme an einem Sportprogramm über mindestens acht Wochen.

Bausteine des einjährigen Programms sind dann eine für Kinder geeignete Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapie mit Eßverhaltenstraining, Ernährungskurs und Infoveranstaltungen. Kind und Familie werden dabei durch ein interdisziplinäres Team betreut.

Bislang wurde das Behandlungsergebnis bei 186 Kindern dokumentiert, wie der Leiter des Programms, Dr. Thomas Reinehr, berichtet: Bei 33 Kindern liegt das Therapieende mindestens vier Jahre zurück, bei 85 drei Jahre, bei 132 zwei und bei 157 mindestens ein Jahr (Kinder- und Jugendmedizin 2005, 2, 79).

Insgesamt 148 Teilnehmer (80 Prozent) verringerten ihr Gewicht: 61 Prozent der Kinder um mehr als fünf Prozent, 44 Prozent um mehr als zehn Prozent. 35 Prozent der Kinder waren nicht mehr adipös. Dieser Erfolg nahm bei den langfristig beobachteten Kindern auch in den nächsten drei Jahren nur tendentiell ab, zwischen dem dritten und vierten Jahr gab es kaum einen Unterschied. So waren im vierten Jahr noch 71 Prozent der Teilnehmer erfolgreich, die Gewichtsreduktion entsprach der nach Therapieende.

Auch auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wirkte sich das Programm günstig aus: Hatten anfangs noch 48 Prozent der Kinder eine Hypertonie, waren es nach einem Jahr nur noch 19 Prozent. 24 Prozent der Kinder wiesen zudem zu Therapiebeginn erhöhte Blutfettwerte auf, am Ende hatten nur noch 15 Prozent von ihnen ein erhöhtes Gesamtcholesterin, neun Prozent erhöhte LDL-Werte und 20 Prozent eine Triglyzeridämie.

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