Ärzte Zeitung, 05.09.2005

Neuer Wirkstoff hemmt fettmachendes System

Rimonabant reduziert über Rezeptor-Blockade Lipogenese und Fettakkumulation bei dicken Menschen

STOCKHOLM (otc). Von dem neuen Wirkstoff Rimonabant erhoffen sich Spezialisten nicht nur eine Gewichtsabnahme bei dicken Menschen, sondern vor allem auch eine Reduktion des Bauchumfanges und damit des endokrin wirksamen abdominellen Fettes.

Eine Milliarde Menschen weltweit sind inzwischen übergewichtig (BMI über 25 kg / m2) - Tendenz steigend. "Als ich vor zehn Jahren vor dieser Entwicklung gewarnt habe, wollte es kaum einer wahrhaben, und jetzt ist es bereits soweit", sagte Professor Arya Shama aus Ontario in Kanada auf dem europäischen Kardiologen-Kongreß in Stockholm.

Betroffen sei inzwischen jeder Kontinent. Dies gelte auch für die mit Übergewicht assoziierten Krankheiten wie metabolisches Syndrom sowie für erhöhte kardiovaskuläre Risiken.

Allerdings sage der Body Mass Index (BMI) allein wenig über die individuelle Gefährdung aus. Ausschlaggebend sei der Bauchumfang und damit der Anteil des abdominalen Bauchfettes, so Shama auf einem von Sanofi-Aventis unterstützten Symposium. Man müsse vor allem das abdominale Fett reduzieren. Eine Option sei der neue Wirkstoff Rimonabant.

Der Wirkstoff hemmt selektiv den Cannabinoidrezeptor Typ 1 (CB1-Rezeptor) im Endocannabinoidsystem, so Professor Jean-Pierre Després aus Quebec. Dieses System ist bei Adipositas überaktiviert.

Es werden vermehrt Endocannabinoide freigesetzt, die über CB1-Rezeptoren die Nahrungsaufnahme weiter stimulieren und die Lipogenese und Fettakkumulation in Fettzellen verstärken (wie berichtet). Der Wirkstoff habe über die Rezeptor-Hemmung einen günstigen Effekt auf Gewicht, Insulinresistenz und Dyslipidämie und verändere damit das kardiovaskuläre Risikoprofil, so Després.

Das belegen auch Daten des RIO-Studienprogramms (Rimonabant in Obesity) mit über 6 600 dicken Patienten. Mit täglich 20 mg des Wirkstoffs wurde etwa in einem Jahres das Gewicht um 8,6 kg im Vergleich zu 3,6 kg mit reduziert. Auch wurden HDL und die Insulinsensitivität erhöht und die Triglyzeride gesenkt.

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