Ärzte Zeitung, 28.11.2005

Blutdrucksenkung nach Abspecken hält nicht lange an

BERLIN (hbr). Übergewicht ist ein Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt und mit erhöhter Hypertonieprävalenz verbunden. Eine Gewichtsreduktion kann bekanntlich erhöhte Blutdruckwerte senken. Dabei kann die Wirkung so stark sein wie bei einer medikamentösen Monotherapie. Aber wie sieht es langfristig aus?

Dr. Gerd Bönner aus Bad Krotzingen kommt zu einem frustrierendem Ergebnis: "Der Effekt der Gewichtsreduktion auf den Blutdruck ist limitiert und schwächt sich langfristig ab", sagte er auf der Tagung der Hochdruck-Liga in Berlin.

Dafür sprechen die Ergebnisse der SOS-Studie. In der schwedischen Untersuchung wurden Daten von 4000 Patienten ausgewertete. Sie hatten zu Beginn einen BMI über 40. Die Patienten wurden zur Gewichtsreduktion operativ behandelt: mit Magenband oder Magenbypass.

Nach zwei Jahren hatten sie im Mittel 28 kg an Gewicht verloren. Im gleichen Zeitraum sank ihr systolischer Blutdruck um 6,3 mmHg und der diastolische um 4,7 mmHg. In der Kontrollgruppe blieb der Blutdruck gleich.

Die Ergebnisse nach weiteren acht Jahren waren aber enttäuschend: Zwar wogen die Patienten immer noch 19 kg weniger als zu Beginn. Der Blutdruckeffekt war aber weg: Der diastolische Wert war nur noch 2,3 mmHg niedriger als zu Beginn; Der systolische Wert war sogar um 0,7 mmHg höher als vorher.

Trotz des Gewichtsverlustes: "Der Nutzen der ersten zwei Jahre ist aufgebraucht", sagte Bönner. Auch in der Kontrollgruppe stieg der Blutdruck um 6 mmHg an, also um den gleichen Betrag.

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