Ärzte Zeitung, 03.11.2006

Rotweinextrakt - und fette Mäuse leben lange

Resveratrol aus roten Trauben bremst Schäden durch Fettsucht in Organen / Lebenserwartung wird nicht verkürzt

BOSTON (Rö). Völlen, trotzdem gesund bleiben und lange leben: Dieser Traum ist für Mäuse in Erfüllung gegangen. Bewirkt hat das Resveratrol, eine Substanz, die in roten Weintrauben enthalten ist.

Die mit viel Fett plus Resveratrol ernährte Maus (rechts) ist so dick wie die nur fetternährte (Mitte), lebt aber nicht kürzer als die schlanke (links). Foto: Doug Hansen

Ihre aufsehenerregenden Experimente hat eine Arbeitsgruppe der Harvard Medical School in Boston online in "Nature" vorgestellt.

Die Wissenschaftler um Dr. David A. Sinclair haben ein Jahr alte männliche Mäuse auf drei Arten gefüttert. Die Mäuse der ersten Gruppe erhielten eine Standard-Enährung. Die Tiere der zweiten Gruppe ernährten sich besonders fettreich: 60 Prozent ihrer Kalorien nahmen sie als Fett auf. Die Mäuse der dritten Gruppe fraßen ebenso fett, erhielten aber zusätzlich 0,04 Prozent Resveratrol.

Wie zu erwarten war, nahmen alle fetternährten Mäuse im Vergleich zu ihren normal ernährten Artgenossen stark an Köpergewicht zu.

Die Folgen der Verfettung waren allerdings sehr unterschiedlich. Die fetten Mäuse ohne Zusatzstoff hatten die auch von Menschen bekannten Auswirkungen der Fettleibigkeit: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vergrößerung der Leber, metabolisches Syndrom und verkürzte Lebenszeit. Bei den zusätzlich mit Resveratrol ernährten, waren diese Folgen geringer.

Die Insulinempfindlichkeit war höher, die Tiere hatten niedrigere Blutzuckerspiegel, und in Herz- und Lebergewebe gab es weniger Fettablagerungen. Zudem lebten die so ernährten Tiere im Mittel genau so lange wie die normal ernährten, 15 Prozent länger als die anderen fetten.

Ob sich auf Grundlage dieser Experimente ein Pharmakon für Menschen entwickeln läßt, ist ungeklärt. Rotwein zu trinken, reicht jedenfalls nicht. Dazu ist der Gehalt an Resveratrol darin viel zu gering. Und ob hohe Dosen des Stoffes schädlich wirken, ist ebenfalls unklar.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »