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Ärzte Zeitung, 04.07.2007

Nach einem Herzinfarkt haben Dicke bessere Überlebenschancen

Dreijahres-Sterberate ist bei Adipösen mit Infarkt 73 Prozent geringer als bei Dünnen

BAD KROZINGEN (mut). Wenigstens einen Vorteil haben Dicke: Zwar bekommen sie öfter einen Herzinfarkt als Normalgewichtige. Nach einem Infarkt haben sie aber deutlich bessere Überlebenschancen als Dünne. Möglicherweise liegt dies an erhöhten Endocannabinoid-Spiegeln.

Ärztliche Untersuchung bei einer adipösen Patientin. Nach einem Herzinfarkt haben Dicke eine bessere Prognose als Menschen mit Normalgewicht. Foto: AOK

Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Jahren nach der Revaskularisierung zu sterben, ist für Dicke nach Daten einer Studie um 73 Prozent geringer als bei normalem Gewicht. Darauf weisen Dr. Heinz J. Büttner und seine Kollegen aus Bad Krozingen und Basel hin.

Die Ärzte hatten, wie bereits kurz berichtet, in ihrer Untersuchung die Daten von knapp 1700 Patienten analysiert. Alle waren zunächst mit instabiler Angina Pectoris oder Myokard-Infarkt ohne ST-Hebung in Kliniken aufgenommen worden und benötigten eine Revaskularisierung per Stent oder Bypass.

Von diesen Patienten waren - gemessen an ihrem BMI - ein Drittel (551) normalgewichtig, etwa die Hälfte (824) übergewichtig und 18 Prozent (294) adipös. Nach drei Jahren waren von den Normalgewichtigen 9,9 Prozent gestorben und von den Übergewichtigen 7,7 Prozent. Bei den Adipösen war die Sterberate jedoch am geringsten: Sie lag bei nur 3,6 Prozent (European Heart Journal, online).

Eine nahe liegende Erklärung wäre, dass Übergewichtige und Adipöse im Schnitt jünger sind als Normalgewichtige, wenn die ersten Herzprobleme auftauchen und dass sie deswegen möglicherweise noch eine höhere Lebenserwartung haben. In der Studie war der Altersunterschied jedoch gering. Das Durchschnittsalter lag zwischen 66 Jahren bei den Normalgewichtigen und knapp 63 Jahren bei den Adipösen. Und selbst wenn man in der Analyse das Alter und andere Faktoren wie Koronarstatus und linksventrikuläre Funktion berücksichtigte, blieb ein signifikanter Überlebensvorteil für Adipöse, berichtet Büttner.

Eine mögliche Erklärung für diesen Vorteil sieht der Kardiologe im Endocannabinoid-System. So ist dieses System bei Adipösen überaktiv. Dies sorgt zum einen für nachhaltigen Hunger und begünstigt damit die Adipositas. Es gebe inzwischen aber immer mehr Hinweise, dass Cannabinoide auch kardioprotektive Effekte haben.

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