Ärzte Zeitung, 19.09.2007

Finnische Megastudie bestätigt: Adipositas erhöht Schlaganfallrisiko

20-jährige prospektive Studie mit 50 000 Männern und Frauen aus Finnland

HELSINKI (ner). Dass ein hoher BMI das zerebrovaskuläre Risiko erhöht, wurde schon lange vermutet. Eine Langzeituntersuchung bei 50 000 Finnen hat diese Vermutung jetzt bestätigt. Die abdominelle Adipositas korreliert aber nur bei Männern mit dem Schlaganfallrisiko, nicht aber bei Frauen.

Bei adipösen Frauen, die also einen BMI von über 30 haben, ist das Risiko für einen Schlaganfall um den Faktor 1,3 erhöht. Foto: Bilderbox

Schon seit Längerem ist klar: Adipositas erhöht die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Erkrankungen. Widersprüchlich war die Datenlage allerdings zum Zusammenhang zwischen hohem BMI und Schlaganfallrisiko. Dr. Gang Hu von der Universität in Helsinki und sein Team haben nun herausgefunden, dass bei Männern ein BMI zwischen 25 und 30 das Gesamtrisiko für hämorrhagische und ischämische Schlaganfälle um das 1,2-Fache und bei Adipositas (BMI größer als 30) sogar um das 1,6-Fache erhöht. Ähnlich war es bei der Untergruppe von Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall.

Bei den Frauen hatten Untergewichtige (BMI kleiner als 18,5) insgesamt ein 1,9-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko, übergewichtige Frauen ein leicht erhöhtes Risiko (1,08-fach) und adipöse ein 1,3-faches Risiko.

Bei Männern erwies sich im Gegensatz zu Frauen auch der Bauchumfang als relevanter Faktor: Männer mit dem größten Bauchumfang hatten ein doppelt so hohes Apoplexierisiko wie schlanke Männer (Arch Intern Med 167, 2007, 1420).

Insgesamt 49 996 Finnen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren wurden fast 20 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit waren 674 hämorrhagische und 2554 ischämische Schlaganfälle aufgetreten. Die pathophysiologischen Hintergründe für den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Schlaganfallrisiko ist nicht ganz klar. Vermutet wird, dass der Effekt über Faktoren wie Bluthochdruck vermittelt wird. So schwächte sich der Zusammenhang nach Herausrechnen der Faktoren systolischer Blutdruck, Gesamtcholesterin und Diabetes mellitus ab, blieb jedoch bei beiden Geschlechtern signifikant.

Viele interessante Informationen zum Thema gibt es unter http://www.schlaganfall-hilfe.de/

STICHWORT

Schlaganfall

Etwa 200 000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Doch auch junge Menschen und Kinder sind von solchen zerebrovaskulären Ereignissen betroffen. Rund 20 Prozent der direkt von einem Schlaganfall betroffene Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Der Schlaganfall ist nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Im Jahre 2003 starben hier 75 114 Menschen an einem Schlaganfall.

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