Ärzte Zeitung, 24.03.2008

14 Millionen übergewichtige Kinder

Europaabgeordnete fordern Maßnahmenpakete gegen Fettleibigkeit

BRÜSSEL (spe). Europaabgeordnete fordern umfassende Konzepte auf europäischer und nationaler Ebene, um gegen die zunehmende Fettleibigkeit der Europäer vorzugehen.

"Wir wissen, dass hier eine Zeitbombe tickt und dass dringend gehandelt werden muss, um millionenfache schwer wiegende Folgeschäden zu vermeiden", sagte der CDU-Abgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese bei einem parlamentarischen Abend bei der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Brüssel.

Etwa 14 Millionen Kinder in der Europäischen Union sind übergewichtig, drei Millionen von ihnen fettleibig. Die Zahl der betroffenen Schulkinder steige um 400 000 pro Jahr, ergab eine Untersuchung der International Obesity Task Force.

Die höchsten Raten weisen einer internationalen Vergleichsstudie aus dem Jahre 2004 zufolge die südlichen Länder und Großbritannien auf. Spitzenreiter ist Italien. Dort sind bereits 36 Prozent aller Kinder zwischen sieben und elf Jahren übergewichtig. Es folgen Spanien (34 Prozent) und Portugal (32 Prozent). In Großbritannien beträgt der Anteil 27 Prozent.

Deutschland weist mit 16 Prozent eine der niedrigsten Raten auf. Dennoch haben auch hierzulande knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche überflüssige Pfunde - Tendenz steigend.

EU-Parlamentarier warnen

vor "tickender Zeitbombe".

Allerdings sei die Entwicklung weniger auf ungesündere Ernährungsgewohnheiten als auf ein verändertes Bewegungsverhalten zurückzuführen, so der Kinderarzt Professor Erik Harms von der deutschen Plattform Ernährung und Bewegung (peb). Peb ist ein Zusammenschluss von etwa 100 Partnern aus Politik und Wirtschaft, der Ärzteschaft sowie von Sportvereinen und Eltern. Der Verein, der zugleich das europaweit größte Netz dieser Art darstellt, setzt sich für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil bei Kindern und Jugendlichen ein.

In den vergangenen zehn bis 15 Jahren sei die Kalorienzufuhr weitgehend gleich geblieben, die Aufnahme von Fetten und Salzen sogar leicht gesunken, betonte Harms. Das Hauptproblem sei, dass sich Kinder und Jugendliche nicht mehr ausreichend bewegten.

"Kinder verbringen im Schnitt 23 Stunden am Tag sitzend, stehend oder liegend", so Harms. 78 Prozent der 15-Jährigen seien nicht mehr in der Lage, zwei oder mehrere Schritte rückwärts zu balancieren. 86 Prozent könnten nicht mehr eine Minute lang auf einem Bein stehen. 43 Prozent erreichten beim Rumpfbeugen mit ihren Händen nicht ihre Fußsohlen. Ziel von WHO und EU ist es, in den nächsten fünf bis zehn Jahren sichtbare Fortschritte bei der Bekämpfung von Übergewicht bei Kindern zu erreichen und den Trend spätestens 2015 umzukehren.

Die EU könne allerdings bei der Lösung des Problems vielfach nur Anstöße liefern, so Liese. Hier seien in erster Linie die Länder gefordert, sagte der Politiker.

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