Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung online, 19.08.2008

Vier Punkte helfen, damit aus Kleinkindern keine Dicken werden

Übergewicht bei Kindern ist in Deutschland ein ernsthaftes Problem. 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, 6,3 Prozent sogar adipös, wie die aktuelle Studie KiGGS des Robert-Koch-Instituts ergeben hat. Der Grundstein fürs Übergewicht wird meist im Vorschulalter gelegt. Eine frühzeitigen Vorbeugung ist daher von entscheidender Bedeutung, betont die Stiftung Kindergesundheit aus München.

Von Lajos Schöne

Foto: DAK

Dicke Kinder laufen Gefahr, übergewichtige Erwachsene zu werden. Sie sind anfälliger für Infektionen, haben Skelettschäden oder eine schlechte Haltung. Ihr Risiko für hohen Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, koronare Herzerkrankungen und Gicht ist erhöht. Auch Fettleber und Gallensteine ebenso wie Gelenkprobleme oder die Entstehung von Typ-2-Diabetes werden durch Übergewicht begünstigt.

Überflüssige Pfunde verkürzen auch die Lebenserwartung: In einer großen dänischen Studie wurden die späteren Erkrankungsraten von 276 835 Schulkindern untersucht. Die Zusammenhänge sind eindeutig: Hatte ein siebenjähriger Junge 2 kg Körpergewicht zu viel, lag sein Risiko, als Erwachsener eine koronare Herzkrankheit zu bekommen, um sieben Prozent höher als bei einem normalgewichtigen Kind. 5 kg zu viel im Alter von 13 Jahren steigerten die Gefahr für Herz und Kreislauf sogar um 15 Prozent.

"Rumsitzen, süße Getränke und Fastfood machen Kinder dick!", betont Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Nicht zu vernachlässigen sind aber weitere Faktoren wie die familiäre Veranlagung. Wenn beide Eltern übergewichtig sind, besteht eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass auch ihre Kinder übergewichtig werden. Zudem sind Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund häufiger übergewichtig als Kinder aus deutschen Familien. Ebenso haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien ein erhöhtes Risiko, dick zu werden.

Mit einer Diät lassen sich Übergewicht und Adipositas meist nur für kurze Zeit beeinflussen. "Unter den heutigen Lebensumständen fällt es ausgesprochen schwer, Gewicht zu verlieren und noch schwerer, das erreichte niedrigere Gewicht zu halten. Statt gegen Übergewicht zu behandeln, sollte daher versucht werden, die Entstehung von vornherein zu verhindern. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt zur Prävention:

  • Kinder, die als Säuglinge überfüttert werden, werden auch später mehr essen, als sie brauchen. Deshalb sollte schon bei Säuglingen eine rasche und zu frühe Gewichtszunahme vermieden werden. Dieses Ziel wird mit Stillen am ehesten erreicht. Bei der Flaschenfütterung sollten Eltern auf die empfohlenen Mengenangaben achten.
  • Wichtig ist regelmäßige körperliche Aktivität zu Hause und in der Kindertagesstätte. Kinder müssen, so oft es geht, hinaus an die frische Luft zum Toben, Rennen, Klettern.
  • Strikt zu begrenzen ist die Zeit vor dem Bildschirm, also vor dem Fernsehgerät, dem Computer oder anderen elektronischen Medien. Kinder unter drei Jahren sollten überhaupt nicht fernsehen, danach sollten sie bis zur Einschulung maximal 45 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm verbringen.
  • Kinder brauchen mehr Obst und Gemüse, als sie heute verzehren und sie sollten weniger energiedichte Speisen, Softdrinks und Fastfood zu sich nehmen. Sie brauchen auch reichlich zu trinken, allerdings keine gesüßten Getränke oder süße Säfte, sondern Wasser, Tee oder verdünnte Säfte.

Die Entstehung von Übergewicht ist komplex, zur Bekämpfung gibt es deshalb keine einfachen Lösungen. Die Grundlage der Behandlung bei Kindern und Jugendlichen sind ambulante Programme, die eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens bewirken. Ein solches Programm ist das von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital und weiteren Partnern entwickelte Projekt TigerKids. Es richtet sich an Kindertageseinrichtungen. Ziel ist es, den Anstieg von Übergewicht bereits im Vorschulalter durch gesunde Ernährung und Bewegung aufzuhalten.

Das Programm hat sich in seiner Erprobungsphase bereits bewährt: Die Mehrzahl der daran beteiligten Kinder isst täglich zweimal Obst und bewegt sich mehr als eine Stunde täglich. Zudem trinken die Kinder seltener gezuckerte Getränke und greifen häufiger zu Wasser.

Zurzeit sind bereits Kinder in etwa 3000 Kindertagesstätten dabei, sich in "TigerKids" zu verwandeln. Damit werden annähernd 100 000 Familien erreicht. In Zusammenarbeit mit der AOK ist bis 2009 eine weitere bundesweite Ausdehnung auf 5 000 Kindertagestätten geplant. Mit "TigerKids" wird damit erstmals eine substanziell verbesserte Gesundheitsförderung in deutschen Kindertagesstätten flächendeckend etabliert. Die EU-Kommission empfiehlt "TigerKids" in ihrem "Weißbuch zu Übergewicht, Ernährung und körperlicher Bewegung" als eines von zwei europäischen Modellprojekten.

Ebenfalls unter Mitwirkung der Stiftung Kindergesundheit entstand das Programm "PowerKids" für Schulkinder. "PowerKids ist ein zwölfwöchiges verhaltenstherapeutisch orientiertes Trainingsprogramm für übergewichtige Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Es soll den Kindern spielerisch helfen, ihr Gewichtsproblem langfristig über eine Änderung ihrer Essgewohnheiten in den Griff zu bekommen. "PowerKids" kennt keine Strafen, sondern ist ein reines Belohnungssystem, bei dem keine Schuldgefühle entstehen sollen. Es setzt bei den Bedürfnissen der Kinder nach Spiel, Spaß und Selbstbestimmung an.

Weitere Informationen im Internet unter:
www.tigerkids.de
www.kindergesundheit.de
www.powerkids.de

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