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Ärzte Zeitung online, 21.08.2008

Mit Handys überwachen dicke Kinder Bewegung und Ernährung

Rostock/Heringsdorf (dpa). Dicke Kinder und Jugendliche können ihre Ernährung und Bewegungsverhalten selbst kontrollieren - mit Hilfe von Handys. Die Mobiltelefone erfassen mittels eines integrierten Bewegungssensors die körperliche Aktivität ihrer Träger.

Ärzte und Psychologen der Heringsdorfer Fachklinik für Kinder und Jugendmedizin und Forscher des Fraunhofer IGD Rostock untersuchen und bewerten mittels Sensoren die Ernährungs- und Bewegungssituation von adipösen Kindern zwischen 11 und 17 Jahren - mit Hilfe von Handys.

Immer mehr Teenager werden fett - Lösung gesucht

Die Anzahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher ist alarmierend hoch. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Anteil übergewichtiger Jungen verdoppelt; der von Mädchen sogar verdreifacht. Hauptgründe für diese Entwicklung sind vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel. Doch wie kann dieser Trend dauerhaft umgekehrt werden?

Eine Lösung für dieses Problem testen wird jetzt in der Anfang Mai gestarteten Gemeinschaftsstudie gesucht. Unterstütz wird die Studie von Sony Ericsson Deutschland und Vodafone.

Zwischen 80 bis 120 übergewichtige Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren werden die kommenden Wochen und Monate in der Medigreif-Inselklinik verbringen und dort hinsichtlich ihrer Ernährungs- und Bewegungssituation beobachtet und unterstützt.

Ihr ständiger Begleiter wird dabei das Handy sein, das mittels eines integrierten Bewegungssensors die körperliche Aktivität der Kinder erfasst. Die mit Sensoren ausgestatteten Handys wurden bislang nur zur Musiksteuerung genutzt. Die dafür vom Fraunhofer IGD Rostock entwickelten und im Handy integrierten Algorithmen erfassen die physische Aktivität, erkennen Bewegungsmuster und unterscheiden zwischen den einzelnen Bewegungszuständen wie beispielsweise "Ruhe", "Laufen", "Hüpfen" oder "Radfahren".

Wer zu bewegungsfaul ist, wird vom Handy gemahnt

Misst der Sensor über einen längeren Zeitraum am Tag keine oder unzureichende körperliche Aktivität, wird das betroffene Kind von seinem Handy darauf aufmerksam gemacht. Umgekehrt erhält es eine Art digitales Geschenk, wenn es besonders aktiv war. So erhalten die jungen Probanden regelmäßig eine Rückmeldung zu ihrem Verhalten und schärfen ihr Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise. "Besonders wichtig ist es uns, einen dauerhaften, über die Studienlaufzeit hinaus anhaltenden Therapie-Erfolg zu erzielen", sagt Gerald Bieber, Forscher am Fraunhofer IGD Rostock. Damit die Kinder ihren neuen, gesunden Lebensrhythmus auch später im normalen Alltag beibehalten und nicht in alte Lebensweisen zurückfallen, nutzen sie die Handys auch nach dem klinischen Aufenthalt im häuslichen Umfeld weiter.

Patienten brauchen keine Protokolle zu führen

Ein weiterer Vorteil dieser Form der Eigenbeobachtung: Die Patienten brauchen künftig keine handschriftlichen Ernährungsprotokolle mehr führen. Im Gegensatz zu solchen Listen kann mit dem Handy die Nahrungsaufnahme lückenlos und zeitgetreu erfasst werden, da die Kinder jede einzelne Mahlzeit mit der Handykamera fotografieren können.

Ähnlich wie Sachverständige mit Fotos ihre Gutachten erstellen, wird nun vom Patienten selbst mittels Fotografieren des Essens die Ernährungssituation erfasst. Die Bilder werden elektronisch an den Ernährungsberater geschickt, der sie später gemeinsam mit den Probanden auswertet.

"Die Möglichkeit, die Aktivität und Ernährungssituation von Patienten kontinuierlich mit nur einem tragbaren Standardhandy beobachten und analysieren zu können, ist entscheidend für den Erfolg medizinischer Langzeittherapien", so Bieber. "Auf dieser Grundlage wird es zum Beispiel schon bald möglich sein, Diabetespatienten bei der täglichen Bestimmung ihres Insulinbedarfes zu unterstützen, denn auch der hängt entscheidend mit der individuellen körperlichen Aktivität des Betroffenen zusammen."

Zu diesem Zweck arbeitet das Fraunhofer IGD bereits seit 2005 an dem Projekt "DiaTrace", das bereits bei einem Ideenwettbewerb prämiert wurde und nun zur breiten Anwendung kommen soll. Hierfür werden dann in einer Folgestudie erwachsene Diabetespatienten mit einem Bewegungssensor ausgestattet und untersucht.

www.igd-r.fraunhofer.de

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