Ärzte Zeitung online, 05.11.2008

Bewegung hilft gegen Unfälle bei Kindern - Mehr Aufklärung nötig

BERLIN (dpa). Nur 15 bis 30 Minuten am Tag: Das ist die Zeit, die deutsche Mädchen und Jungen durchschnittlich in Bewegung sind. Nach Ansicht von Experten laufen Stubenhocker aber nicht nur Gefahr, Rückenbeschwerden zu bekommen oder dick zu werden - für sie erhöht sich auch die Unfallgefahr.

Wie viele der jährlich rund zwei Millionen Unfälle bei Kindern und Jugendlichen auf das Konto von Bewegungsmangel zurückgehen, sei wissenschaftlich noch nicht erwiesen, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Professor Axel Ekkernkamp. Klar sei aber: "Eine bessere Beweglichkeit und ein besserer Trainingszustand führen zu weniger Unfällen."

Der Body-Mass-Index sei bei Kindern, die einen Unfall erleiden, um durchschnittlich 23 Prozent erhöht, erklärt Ekkernkamp bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Dienstag in Berlin. Die Ministerin selbst ist überzeugt: "Ein Kind, das gelernt hat, seinen Körper zu beherrschen, hat den Kopf frei."

Aber auch Kinder aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien sind gefährdeter, einen Unfall zu erleiden. Gefahren lauern in der Schule, im Kindergarten und zu Hause. Bei Kindern bis zu vier Jahren passieren die Unfälle vor allem zu Hause, bei Älteren zum Beispiel auch im Sportunterricht. Jungen verletzen sich häufiger als Mädchen. 336 Kinder starben im Jahr 2006 bei einem Unfall, sagt Ekkernkamp. Zu den häufigsten Ursachen gehörten Straßenverkehrsunfälle, bei denen Kinder vor allem als Fahrradfahrer und Fußgänger betroffen waren.

Über die genauen Gründe der Unfälle bei Kindern gebe es allerdings bislang keine ausreichenden Statistiken, sagt Ekkernkamp. "Wenn man weiß, wo die Probleme liegen, kann man auch präventiv tätig werden." Die Gesundheitsministerin erklärt, Verbesserungen bei den Daten zu Kinderunfällen sollen künftig dafür sorgen, dass Vorsorgemaßnahmen besser greifen können. Nach Schätzungen von Experten seien mindestens 60 Prozent der Kinderunfälle durch "gute Vorsorge" zu verhindern. Informationen dazu gibt es zum Beispiel bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Jeden Tag Bewegung in der Schule!" fordert die Ministerin aber nicht nur unter dem Aspekt der Unfallprävention. Eine Reihe von Lern- oder Wahrnehmungsstörungen seien eng mit Bewegung verknüpft. "Das wird oft unterschätzt", sagt sie. "Bewegung macht einen Riesenanteil aus bei der Frage: Wie lernt das Kind?"

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