Ärzte Zeitung, 04.12.2008

Dicke Eltern - dicke Kinder: Abspecken nur gemeinsam

Neue Argumente für Adipositastherapie von Familien

GÖTTINGEN (ars). An der Adipositas-Therapie eines Kindes sollte die gesamte Familie teilhaben. Diese Notwendigkeit stützt eine Studie, wonach eine enge Korrelation zwischen dem Gewicht des Kindes und dem seiner Eltern und Geschwister besteht.

Dicke Eltern haben oft dicke Kinder, denn sie sind Vorbilder bei Essen und Bewegung.

Foto: imago

Besonders wichtig ist demnach das Einbeziehen der Mutter in ein Abspeck-Programm. Denn der Zusammenhang zwischen ihrem BMI und dem ihrer Kinder ist besonders stark und verändert sich auch nicht mit dem Heranwachsen. Gerade bei Jugendlichen sollte aber der Vater ebenfalls nicht außen vor bleiben, weil der Einfluss seines Körpergewichts um so mehr zunimmt, je älter der Nachwuchs wird.

Dass auch eine Beteiligung der Geschwister wünschenswert wäre, unterstreicht ein weiteres Resultat: Die Forscher fanden eine Korrelation zum BMI von Brüdern und Schwestern, die bei den ältesten Jugendlichen am größten war. Zudem stellte sich heraus, dass sich auch die Eltern untereinander ähneln (Dtsch Med Wochenschr 133, 2008, 2448).

Kollegen um Dr. Markus Röbl aus Göttingen haben nach ihren Angaben erstmals multizentrisch in einer großen Studie familiäre Faktoren bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen untersucht. Im Mittel waren sie 12 Jahre alt und hatten einen BMI von knapp 30. Etwas über 60 Prozent der Mütter, fast 80 Prozent der Väter und nahezu 30 Prozent der Geschwister waren ebenfalls übergewichtig oder adipös.

Als Ursachen für diese Zusammenhänge vermuten die Autoren: Die Eltern geben nicht nur ihre Veranlagung weiter, sondern fungieren auch als Vorbilder bei Essen und Bewegung. Von der Mutter kommen intrauterine Einflüsse hinzu, die sich abschwächen, je älter die Kinder werden. Die Eltern wiederum gleichen sich untereinander durch selektive Partnerwahl und das Leben in einer gemeinsamen Umwelt.

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