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Ärzte Zeitung online, 16.01.2009

Hilfe! Unsere Babys werden immer schwerer!

MÜNCHEN. Das Geburtsgewicht von Säuglingen hat innerhalb weniger Jahre in einem dramatischen Ausmaß zugenommen. Das hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit: Bei dicken Babys ist das Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen erhöht und die Kinder haben ihr ganzes späteres Leben ein hohes Risiko für Übergewicht.

Foto: Xenia1972 ©www.fotolia.de

Von Lajos Schöne

"Wir wissen heute, dass unter dem Einfluss der Bedingungen, unter denen das Ungeborene heranwächst, die Anlagen des Kindes in die richtige oder aber in eine falsche Richtung programmiert werden können", sagt Kinder- und Jugendarzt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit aus München. Laut "Ernährungsbericht 2008" der Deutschen Gesesllschaft für Ernährung (DGE) stieg das mittlere Geburtsgewicht in Deutschland zwischen 1985 und 1997 um 151 Gramm an, was einer Zunahme von 126 Gramm innerhalb von nur zehn Jahren entspricht. Besonders beunruhigend ist die Entwicklung dabei in den neuen Bundesländern.

Als Ursache kommt an erster Stelle der Ernährungszustand der Schwangeren infrage, heißt es in dem Bericht. So ist das Risiko für Makrosomie mit einem Geburtsgewicht über 4 000 Gramm bei Kindern übergewichtiger Frauen mehr als verdoppelt, bei Kindern massiv adipöser Frauen sogar mehr als verdreifacht. Je mehr eine übergewichtige Schwangere an Gewicht zunimmt desto höher ist der Körperfettanteil ihres Babys. Frauen in Deutschland nehmen aber während ihrer Schwangerschaft heute zwei Kilo mehr zu als vor 20 Jahren!

Bei übergewichtigen Schwangeren ist das Risiko für Gestationsdiabetes und Präeklampsie erhöht. Bei bis zu 20 Prozent aller Schwangeren in Deutschland besteht nach Untersuchungen ein Diabetes. Allerdings wird nur jede zehnte betroffene Frau erkannt und damit auch behandelt.

Das Übergewicht in der Schwangerschaft kann außerdem zu erheblichen Risiken bei der Geburt führen, weil die Entbindung von dickeren Babys häufig mit Komplikationen verbunden ist: Die Rate von Kaiserschnitten und Vakuum- oder Zangengeburten ist erhöht, es kommt zu häufigeren Infektionen, der Anteil von Schulterdystokie ist verdoppelt, es steigt auch das Risiko für eine Frühgeburt. Die Totgeburtenrate und die perinatale Sterblichkeit sind ebenfalls erhöht.

Kinder, die schon im Mutterleib überfüttert wurden, werden auch später mehr essen als sie brauchen. Die Folge ist: Sie werden ihr ganzes Leben lang gegen ihr Übergewicht ankämpfen. "Die Vorbeugung gegen Krankheiten muss daher bereits Monate vor der Geburt einsetzen", so Koletzko. Als wichtigsten Schritt bezeichnet er die Abkehr von dem Vorurteil, dass eine werdende Mutter für zwei essen muss. Der Bedarf an Energie ist in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kaum nennenswert erhöht. Auch später sind lediglich etwa 200 bis 300 Kalorien am Tag mehr nötig. 300 Kalorien sind bereits in 100 Gramm Schinken, 90 Gramm Edamer oder 80 Gramm Haferflocken enthalten, so die Stiftung Kindergesundheit.

Allerdings muss die werdende Mutter versuchen, eine deutlich erhöhte Menge an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen zu sich zu nehmen. Gerade jüngere Frauen, die sich bis überwiegend mit Junkfood und schnellen Riegeln ernährt haben oder aus Figurgründen gewohnt waren, auf vollständige Mahlzeiten zu verzichten, müssen jetzt radikal umdenken. Folgende Empfehlungen der Stiftung Kindergesundheit können ihnen dabei helfen:

  • Zur Versorgung mit B-Vitaminen, Eiweiß, Eisen und Zink wird möglichst mageres Fleisch benötigt (mageres Schweinefleisch, Geflügel, gekochter Schinken, Frischwurst oder Corned Beef). Rohes und halbgares Fleisch sind wegen des Toxoplasmoserisikos unbedingt zu vermeiden.
  • Der Bedarf an Folsäure ist während einer Schwangerschaft deutlich erhöht. Folsäure ist in grünem Blattgemüse, Hefe- und Vollkornprodukten enthalten, allerdings oft nur in geringen Mengen.
  • Unzureichend ist hierzulande der Versorgung mit mit Jod. Wichtige Quellen sind Seefisch und jodiertes Speisesalz. Schwangere und stillende Frauen sollten nur jodiertes Salz verwenden, mit diesem Salz hergestellte Back- und Wurstwaren kaufen, regelmäßig Fisch und Milch verzehren und Jodidtabletten verordnet bekommen.
  • Stillen senkt bis zu einer Dauer von neun Monaten das Risiko des Übergewichts im späteren Leben. Jeder Monat des Stillens reduziert das Risiko des Kindes, später Übergewicht zu entwickeln, um vier Prozent.

Viele Frauen kämpfen während der Schwangerschaft mit ungewöhnlichen Essgelüsten. Torte oder Schokolade sind aber überaus kalorienlastig, ihr Zuckergehalt gelangt außerdem rasch ins Blut und erhöht den Blutzucker. Wenn dann der Blutzuckerspiegel wieder sinkt, entsteht schnell ein neues Hungergefühl. Koletzko rät: "Ohne Disziplin geht es leider nicht. Der Hunger sollte mit viel Obst und Gemüse gestillt werden. Auch Vollkornprodukte machen satt und wirken dem Heißhunger entgegen".

www.schwangerundkind.de

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