Ärzte Zeitung online, 03.04.2009

IQWiG veröffentlicht Abschlussbericht zu DMP-Modul Adipositas

KÖLN (eb). Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) hat am 3. April den Abschlussbericht seiner Empfehlungen für das geplante DMP-Modul Adipositas veröffentlicht. Empfehlungen zur Gewichtsreduktion sind nach einer Mitteilung des lQWiG relativ gut durch Studien belegt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hatte das IQWiG beauftragt, aus aktuellen evidenzbasierten Leitlinien diejenigen Empfehlungen zu extrahieren, die für das geplante DMP-Modul von Bedeutung sein könnten.

Zusammen mit externen Sachverständigen recherchierten die Kölner Wissenschaftler systematisch nach Evidenz-basierten Leitlinien zum Thema Adipositas. In einem ersten Schritt bewerteten sie deren methodische Qualität.

Danach extrahierten sie die darin enthaltenen Empfehlungen und prüften, inwieweit diese - nach Aussage der Leitlinien - auf hochwertigen Studien beruhen. Insgesamt konnten sie 10 Leitlinien einschließen. Überprüft wurde die Evidenz, die den einzelnen Empfehlungen zugrunde lag, allerdings nicht. Darin unterscheiden sich die Leitlinienbewertungen von den Nutzenbewertungen des Instituts.

Empfehlungen zum Abnehmen relativ gut durch Studien belegt

Insgesamt konnten die Expertinnen und Experten in den Leitlinien vergleichsweise viele evidenzbasierte Empfehlungen zur Gewichtsreduktion identifizieren. Anders stellte sich die Situation bei den Versorgungsaspekten Einteilung, Monitoring, langfristige Gewichtsstabilisierung sowie bei Qualitätsindikatoren und der Koordination der Versorgung dar. Hier gibt es nur wenige Empfehlungen, die nach Aussage der Leitlinien durch hochwertige Studien belegt sind.

Für die Einteilung des Gewichts empfehlen die Leitlinien, den so genannten Body Mass Index (BMI) zu berechnen. Der BMI ist eine Maßzahl, die das Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße beschreibt (kg/m²). Als "übergewichtig" gelten Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 30, als "adipös" wenn der BMI über 30 liegt. Laut Leitlinien sollte zusätzlich zum BMI der Taillenumfang ermittelt und eine sorgfältige Anamnese durchgeführt werden.

Zur Gewichtsreduktion gelten kalorienreduzierte Ernährung, körperliche Bewegung sowie verhaltenstherapeutische Verfahren als Mittel der ersten Wahl. Sie sollten möglichst kombiniert werden. Zur Unterstützung dieser Therapien können in seltenen Fällen auch bestimmte Medikamente eingesetzt werden, etwa wenn Patienten einen BMI von 30 kg/m² oder höher aufweisen. Eine operative Therapie sollte erst ab einem BMI von 40 kg/m² erwogen werden. Bestimmte Erkrankungen können eine Gewichtsreduktion schon bei relativ geringem Übergewicht erfordern.

Wie in allen Industriestaaten nimmt auch in Deutschland die Zahl der fettleibigen Menschen zu - und das in allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Adipositas, so der medizinische Fachbegriff für Fettleibigkeit, wird mit vielen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht. So leiden adipöse Menschen häufig an bestimmten Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck.

Für die Adipositas entwickelt der GBA deshalb jetzt ein Modul, das bereits bestehende Disease-Management-Programme (DMP) ergänzen soll. DMP sind Behandlungsprogramme für chronisch erkrankte Menschen, die eine optimale Behandlung strukturiert und nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand ermöglichen sollen.

Hier geht es zum Abschlussbericht des IQWiG

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