Ärzte Zeitung online, 06.04.2009

Ernährungsberatung für übergewichtige Kinder: Uni Hohenheim startet Studie

HOHENHEIM (eb). Die Universität Hohenheim sucht 300 übergewichtige Kinder zwischen fünf und acht Jahren für eine vierjährige Langzeitstudie. Die "Hohenheimer Fructose Interventionsstudie" ist das Herzstück des Forschungsprojektes "Nicht-alkoholbedingte Fettlebererkrankung (NAFLD): molekulare Mechanismen und ernährungsbasierte Prävention".

An der Spielzeug-Angel baumelt ein Schoko-Riegel. "Kein gutes Essen", kräht die fünfjährige Anja: Die anderen Kinder nicken und fischen weiter mit ihren Spielzeugangeln nach Lebensmitteln aus der Kiste und bewerten sie danach. Sie alle sind Teilnehmer einer Pilotstudie der Universität Hohenheim, die zum Ziel hatte, Beratungsstrategien zur Verminderung der Fruchtzuckeraufnahme für übergewichtige Kinder zu entwickeln.

Über drei Monate beobachtete ein Forscherteam aus Ernährungswissenschaftlern elf übergewichtige Kinder, schulten sie und deren Eltern im Umgang mit Lebensmitteln: "Bei fast allen elf Kindern konnten wir nach der Studie eine deutlich verminderte Aufnahme von Fruchtzucker feststellen - und außerdem haben neun von ihnen trotz Wachstum nicht zugenommen", erzählt die Leiterin des Projekts Dr. Ina Bergheim.

Nun soll sich eine Langzeitstudie mit 300 übergewichtigen Kindern anschließen. Mit dieser Studie wollen die Wissenschaftler überprüfen, ob weniger Fruchtzucker eine Prävention vor Leberschäden bewirkt. Dazu wollen sie die Kinder ab April vier Jahre lang untersuchen.

Die fünf bis acht Jahre alten Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt. Zum einen eine Interventionsgruppe, deren Essgewohnheiten aktiv auf fructosearme Lebensmittel umgestellt werden. Die zweite Hälfte fungiert als Kontrollgruppe, die keine aktive Umstellung, sondern nur auf Wunsch eine Ernährungsberatung nach den Regeln der DGE erhält.

Das Problem mit Fruchtzucker sei, dass er inzwischen nicht nur in Form von normalem Haushaltszucker, sondern auch als reiner Fructosesirup oder Fructose-Glucosesirup zur Süßung von Lebensmitteln verwendet wird, so Bergheim. Häufig steht deshalb auf den Etiketten die Aussage "gesund gesüßt", "ohne Kristallzucker" oder "mit der Süße aus Früchten".

Die Forscher wollen versuchen, den Kindern möglichst kindgerecht Alternativen für die fructosereiche Ernährung aufzuzeigen. Neben den Kindern stehen auch die Eltern im Fokus der Ernährungswissenschaftler. "Oft kämpfen die Eltern von übergewichtigen Kindern mit den gleichen Problemen. Die Kinder übernehmen dann die Essgewohnheiten der Eltern." Deshalb erhalten nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern eine Schulung über fructosearme Ernährung.

Kontakt für interessierte Eltern:

Dr. Ina Bergheim

Universität Hohenheim

Fachgebiet Ernährungsmedizin/Prävention und Genderforschung

Tel.: 0711 459-23622

E-Mail: fruchtzucker.info@uni-hohenheim.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »