Ärzte Zeitung online, 08.09.2009

Fettpolster bergen reiches Stammzellpotenzial

WASHINGTON (dpa). Fettpolster an Bauch und Hüften bergen einen Fundus an Zellen, die sich in eine Art embryonale Stammzellen umwandeln lassen. Diese Entdeckung machten US-Forscher bei der Untersuchung von Fettzellen, die sich vier Schwergewichtige im Alter von 45 bis 60 Jahren absaugen ließen.

Die Wissenschaftler der Stanford-Universität in Palo Alto in Kalifornien entdeckten, dass sich die Fettzellen aus dem Bauchspeck leichter und erfolgreicher zu induzierten pluripotenten - also vielseitig verwendbaren - Stammzellen verarbeiten lassen als die bisher meist benutzten Hautzellen (Fibroblasten). "Wir haben eine große natürliche Quelle identifiziert", sagte Co-Autor Dr. Michael Longaker. Er bezeichnete abgesaugte Fettzellen als "flüssiges Gold" (PNAS online vorab, Fachartikelnummer: DOI: 10.1073/pnas.0908450106).

Hautzellen müssen im Labor erst drei oder mehr Wochen vorbehandelt werden, bevor sie induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) werden können, erläutern die Autoren. Fettzellen dagegen lassen sich sofort umwandeln. Sie können von ihrem embryonalen Zustand in Knochen-, Muskel- und Fettzellen umprogrammiert werden. Dagegen reagierten Hautzellen schlechter auf die Reprogrammierung durch die verwendeten Gene, erklärt der federführende Autor, Dr. Ning Sun.

Die Forscher schleusten vier Gene in die Fettzellen ein, um sie in einen embryonalen Zustand zurückzuversetzen. Dieser Gentransfer birgt allerdings ein Krebsrisiko. Andere Forscherteams haben Zellen aus verschiedenen Geweben von Mensch und Tier bereits mit weniger Genen zurückprogrammiert oder konnten ganz auf das Einschleusen von Genen verzichten.

   Mediziner hoffen, mit Hilfe von iPS-Zellen in Zukunft verschiedene Krankheiten behandeln zu können. So könnten die Zellen als Ersatz für verschlissenes Gewebe heranwachsen und damit die Grundlage für eine maßgeschneiderte Therapie sein. Solche Alleskönner-Zellen haben das gleiche genetische Material wie der Patient selbst - sie werden daher nicht abgestoßen.

Sie kommen zum Abstract der Studie, wenn Sie auf http://dx.doi.org die DOI-Nummer 10.1073/pnas.0908450106 eingeben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »