Ärzte Zeitung online, 05.02.2010
Abnehmen
ohne Anstrengung - das geht durchaus hoch oben im Gebirge
MÜNCHEN (ple). Stark Übergewichtige
profitieren
offenbar vom Aufenthalt in hohen Gebirgsregionen - ohne Anstrengung.
Bereits nach einer Woche haben sie ein signifikant geringeres Gewicht
als vor Beginn des Höhenaufenthalts. Für das Abnehmen
reichen
offenbar schon acht Tage Zugspitze auf mehr als 2600 Meter
Höhe.

Einfach sitzen bleiben und trotzdem
abnehmen: Auf
dem Gipfel ist das möglich. © [M] Frau:
Hulbækda |
Berge: Käppleri / fotolia.com
Dass der Aufenthalt in großen
Höhen mit geringerem
Luftdruck und Sauerstoffgehalt als auf Meereshöhe
gewichtsreduzierend wirkt, haben jetzt Gastroenterologen von der
Maximilians-Universität in München in einer kleinen
Studie
festgestellt (Obesity online).
Wie die Wissenschaftler um Dr. Florian J. Lippl heute
berichten,
hatten die 20 Teilnehmer der Studie mit metabolischem Syndrom aus
München nach einer Woche Aufenthalt im Schneefernerhaus auf
der
Zugspitze in knapp 3000 m Höhe im Mittel von 105,2
auf 103,5
kg abgenommen. Der systolische Blutdruck sank von im Mittel
143 mmHg auf 141 mmHg. Das reduzierte Gewicht
behielten die
Studienteilnehmer auch noch vier Wochen nach ihrer Rückkehr
nach
München in 530 m über dem Meeresspiegel.
Lippl und seine Kollegen vermuten, dass der Effekt auf einem
erhöhten Grundumsatz sowie dem verminderten Appetit beruht.
Tatsächlich stieg der Leptin-Spiegel während des
Aufenthaltes
auf der Zugspitze bei einem verringerten Sauerstoffpartialdruck im Blut
von etwa 52 mmHg signifikant. Zum Vergleich: In
München lag
der Sauerstoffpartialdruck bei 77 mmHg. Das Hormon aus den Adipozyten
des weißen Fettgewebes unterdrückt bekanntlich das
Hungergefühl.
Während des einwöchigen Aufenthaltes im
Schneefernerhaus
aßen die Studienteilnehmer im Vergleich zur Zeit davor in
München etwas weniger, aber deutlich weniger in den vier
Wochen
nach dem Aufenthalt auf der Zugspitze und der Rückkehr nach
München. Die körperliche Aktivität blieb mit
etwa 5500
Schritten pro Tag im Wesentlichen gleich.
Bisherige Studien zum Effekt des Aufenthaltes in
großen
Höhen wurden mit Athleten und Probanden mit normalem
Körpergewicht gemacht. Darüber hielten sich die
Studienteilnehmer in mehr als 3300 m Höhe auf. Stark
adipösen Menschen sind in diesen Höhen allerdings
durch den
stark verringerten Sauerstoffpartialdruck besonders gefährdet.

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