Ärzte Zeitung online, 10.08.2010

Bauchspeck ist riskant - auch wenn das Körpergewicht völlig normal ist

ATLANTA (ikr). Auch für Normalgewichtige lohnt es sich, Bauchspeck zu vermeiden. Denn nicht nur bei übergewichtigen Menschen mit dickem Bauch ist die Sterberate erhöht, sondern auch bei normalgewichtigen mit viel Bauch. Besonders riskant ist Bauchspeck einer US-Studie zufolge bei Frauen.

Bauchspeck ist riskant - auch dann wenn das Körpergewicht völlig normal ist

Viel Bauchspeck und trotzdem einen normalen BMI? Dann geht die Sterberate in die Höhe.

© Matthias Haas / fotolia.com

Die Forscher um Dr. Eric J. Jacobs aus Atlanta im US-Staat Georgia haben bei 48 500 Männern und 56 343 Frauen im Alter über 50 Jahre den Bauchumfang, den Body Mass Index (BMI) und die Sterberate über einen Zeitraum von neun Jahren ermittelt (Arch Intern Med 2010; 170: 1293).

Insgesamt 9315 Männer und 5332 Frauen starben während des Beobachtungszeitraums. Dabei stellte sich heraus: Bei Männern mit sehr dicken Bäuchen, und zwar mit einem Bauchumfang von mehr als 120 cm und bei Frauen mit einem Abdominalumfang von mehr als 110 cm war die Gesamtsterberate praktisch doppelt so hoch wie bei Männern mit einem Bauchumfang unter 90 cm und bei Frauen mit einem Abdominalumfang unter 75 cm. Dieses Ergebnis war unabhängig vom BMI und von anderen Risikofaktoren.

Die Sterberate war in allen BMI-Kategorien erhöht, wenn der Bauch dick war, das heißt sowohl bei Normalgewichtigen (BMI 19 bis 24) als auch bei Übergewichtigen (BMI 25 bis 29) und Adipösen (BMI von mindestens 30). Eine Kuriosität: Bei normalgewichtigen Frauen mit dickem Bauch war die Sterberate deutlich höher als bei übergewichtigen oder gar adipösen Frauen mit viel Bauchspeck. Aus den Daten haben die Forscher berechnet: Bei normalgewichtigen Frauen ist bei jeder Zunahme des Bauchumfangs um 10 cm mit einer um 25 Prozent höheren Sterberate zu rechnen, bei adipösen Frauen nur mit einer Erhöhung um 13 Prozent. Bei Männern wurde ein solcher Zusammenhang nicht beobachtet.

Warum ein dicker Bauch besonders den normalgewichtigen Frauen zu schaffen macht, ist bisher unklar. Warum ein dicker Bauch riskant ist, hängt vermutlich damit zusammen, dass sich das Bauchfett ungünstiger auf den menschlichen Körper auswirkt als das subkutane Fett. So haben Menschen mit dickem Bauch höhere Werte von Entzündungsmarkern im Blut, häufiger eine Insulinresistenz, einen Typ-2-Diabetes, eine Fettstoffwechselstörung oder KHK.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »