Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Fünfeinhalb Stunden sitzen die Deutschen jeden Tag

NEU-ISENBURG (mal). Medizinische Forschung braucht harte Zahlen. Auch dazu, wie lange ein deutscher Bürger täglich sitzt - egal ob auf dem Bürostuhl, am Esstisch oder im Fernsehsessel. Männer verbringen dabei jeden Tag mehr Zeit in einer sitzenden Position als Frauen, haben Kollegen der Deutschen Sporthochschule Köln herausgefunden.

"Wie lange sitzen die Deutschen pro Tag? - Eine Analyse der körperlichen Inaktivität" ist der Titel der Studie von Dr. Birgit Wallmann und Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.

Die Präsentation der Studie ist auch als Postervortrag im Oktober beim Sportärztekongress in Köln geplant. Ein Abstract zur Studie ist vorab in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin veröffentlicht worden (2011, 7-8: 247).

Herausgefunden haben die Kollegen: Im Durchschnitt sitzen die Deutschen nach eigener Angabe pro Tag 322 Minuten - also 5 Stunden und 22 Minuten. Dabei sitzen Männer pro Tag 45 Minuten länger als Frauen (347 statt 302 Minuten; statistisch signifikanter Unterschied).

Und: Die Befragten der Altersgruppe der 18- bis 29-jährigen sitzen mit täglich im Mittel 376 Minuten am längsten. Signifikante Unterschiede in Hinblick auf den Body Mass Index (BMI) und Sitzzeiten lägen nicht vor, so die Studienautoren.

Die Daten von Wallmann und Froböse beruhen auf einer repräsentativen deutschlandweiten telefonischen Umfrage. Insgesamt wurden dafür bei über 2500 Einwohnern Daten zur körperlichen Aktivität und zu den täglichen Zeiten des Sitzens erhoben.

Die Kölner Kollegen weisen darauf hin, dass bei dieser Studie die ersten Erkenntnisse zu den Inaktivitätszeiten der deutschen Bevölkerung erkennbar würden.

In Hinblick des von Inaktivität ausgehenden Gesundheitsrisikos - unabhängig von der Zeit körperlicher Aktivität - bedürfe dieses Forschungsfeld einer erhöhten Aufmerksamkeit und es müssten Interventionen entwickelt werden, um die Inaktivitätszeiten zu unterbrechen.

Eine Gemeinsamkeit der meisten bisherigen Erhebungen zur körperlichen Aktivität sei, dass vornehmlich die gesundheitsfördernde Aktivität betrachtet wird, berichten Wallmann und Froböse. Inaktivitätszeiten wie Sitzen fänden bisher keine Beachtung. Neue wissenschaftliche Veröffentlichungen mäßen etwa dem dauerhaften Sitzen ein bedeutsames unabhängiges gesundheitliches Risiko bei.

Infos zum Deutschen Sportärztekongress im Oktober in Frankfurt/Main: http://www.dgsp.de/kongress/

[29.07.2011, 15:22:38]
Dr. Horst Grünwoldt 
Sitzen
Sitzen ist sicher nicht die schlechteste Form der körperlichen Inaktivität; allerdings kommt es darauf an, wie ergonomisch man sitzt! Und das Dauersitzen sollte natürlich möglichst oft durch Aufstehen und Gehen unterbrochen werden, damit vor allem der "Allerwerteste" noch gut durchblutet wird und nicht völlig atrophiert und abflacht.
Außerdem wird dadurch bekanntlich die Muskel-Blut/Lymph-Pumpe in den -besonders bei Übergewichtigen- thrombosegefährdeten Beinen aufrechterhalten. Und schließlich soll auch noch die Rückenmuskulatur sich regelmäßig an- und entspannen können.
Bleiben wir also ,wie normalerweise in unserer bewegungsaktiven Kindheit und Jugend, abwechslungsreich in unserem Bewegungsdrang, auch im überwiegend "sitzendem Lebensalter".
Leider hat das stundenlange Hocken vor dem PC und das bewegungsarme "Surfen" darin auch schon die Beweglichkeit vieler Jungen stark reduziert.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (maßvoller Senioren-Läufer, Schwimmer und Radler) zum Beitrag »

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