Ärzte Zeitung online, 10.09.2011

Mit Gewichtswächtern bekommen Dicke ihr Fett weg

Übergewichtige Patienten zum Abnehmen zu bewegen, ist im Rahmen der hausärztlichen Versorgung kaum zu leisten. Da überrascht es wenig, dass eine Teilnahme am Weight-Watchers-Programm mehr Pfunde schwinden lässt.

Mit Gewichtswächtern bekommen Dicke ihr Fett weg

In der Gruppe geht Abnehmen effizienter - so neue Studiendaten.

© Kokhanchikov / shutterstock.com

CAMBRIDGE (MUC/bs). Regelmäßige Gewichtskontrollen, Beratung zu einer gesunden kalorienreduzierten Ernährung (nach sogenannten "Points") und zu mehr körperlicher Aktivität sowie Unterstützung durch die Gruppe: Eine so intensive Betreuung von übergewichtigen Patienten ist erfolgversprechender als die ärztliche Beratung allein. In einer Vergleichsstudie mit deutscher Beteiligung verloren Weight-Watchers-Teilnehmer im Vergleich innerhalb eines Jahres doppelt so viel an Gewicht.

An der kontrollierten Studie hatten 772 übergewichtige und adipöse Patienten in Hausarztpraxen teilgenommen, davon 268 in Deutschland, 268 in Australien und 236 in Großbritannien (Lancet 2011 online 8. September).

Die Patienten, zu 87 Prozent Frauen, hatten einen BMI zwischen 27 und 35 kg/m2. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: ärztliche Beratung in Rahmen der normalen Grundversorgung oder kostenlose Teilnahme an wöchentlich WeightWatchers-Treffen.

Das kommerzielle Programm absolvierten 61 Prozent der Patienten (230 von 377) bis zum Studienabschluss nach zwölf Monaten. Von den anderen Patienten hielten nur 54 Prozent so lange durch. Das Resultat auf der Waage: minus 6,65 kg versus minus 3,26 kg. Auch wenn man die Studienabbrecher mit einbezog, waren die Weight-Watchers-Teilnehmer doppelt so viele Kilos losgeworden wie die Vergleichsgruppe (5,06 versus 2,25 kg).

Die Chance auf einen Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent oder mindestens 10 Prozent waren in der kommerziell betreuten Gruppe dreimal so hoch. Durch einen Gewichtsverlust in dieser Größenordnung kann das Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen bereits merklich reduziert werden.

Die Studienautoren, zu denen auch Professor Hans Hauner von der Universität München gehört, schließen aus ihren Daten, dass es hilfreich sein kann, zur Frühintervention bei übergewichtigen Patienten auch Abnehmprogramme von kommerziellen Anbietern wie Weight Watchers mit heranzuziehen.

[04.10.2011, 11:47:26]
Katharina Bittner 
Veraltetes verhaltenspädagogisches Konzept sollte "Fett weg bekommen" !
Glaubte man in den 70er Jahren noch, ein informierter Patient sei ein gesunder Patient, so hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, Aufklärung/Beratung allein bewirkt noch keine Verhaltensänderung.
Dieses Wissen hat sich offenbar noch nicht bis nach Cambridge herum gesprochen.
Eine mit Gruppendruck/-unterstützung durchgeführte (Zitat:)
"intensive Betreuung von übergewichtigen Patienten ist erfolgversprechender als die ärztliche Beratung allein."
Aha!
Und dass 87 % weibliche Menschen in einer Gruppe nicht ausreichen, um die sprachliche Feminisierung dieser Gruppe zu bewirken ("die Patienten" werden sie genannt statt "die Patientinnen") versteht wohl auch nur der Bundeskanzler Dr. Angela Merkel und seine Vizekanzlerin Dr. Rösler. zum Beitrag »

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