Diabetes

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Ärzte Zeitung, 24.08.2012

Schwächelndes Hirn

Dick macht dumm

Adipöse Menschen bekommen im frühen Alter eher Probleme mit ihrer Hirnleistung als schlanke Zeitgenossen - selbst dann, wenn sie keinen Bluthochdruck oder Diabetes haben.

Dick macht dumm - unabhängig vom Stoffwechselprofil

Erst dick, später dement - auch ohne Diabetes.

© Tish1 / shutterstock.com

VILLEJUIF (mut). Übergewicht erhöht das Demenzrisiko - das ist bekannt. Doch bei Fettleibigkeit schwächelt das Gehirn nicht erst im Alter. So schneiden Adipöse bereits im Spätsommer ihres Lebens in Kognitionstests deutlich schlechter ab als Über- oder Normalgewichtige

Und teilweise kommt es bei Dicken im Alter zu einem deutlich schnelleren geistigen Abbau. Das berichten jetzt Forscher um Dr. Archana Singh-Manoux vom Krankenhaus Paul Brousse in Villejuif in Frankreich (Neurology 2012; 79: 755).

Die Epidemiologen hatten Daten einer Studie mit 6400 Erwachsenen ausgewertet. Alle Teilnehmer waren zu Beginn zwischen 39 und 63 Jahre alt und nahmen zwischen 1991 und 2009 an bis zu drei Kognitionstests teil. Bei den Tests wurden Gedächtnis, logisches Verständnis und Sprachflüssigkeit analysiert.

Zudem erfassten die Forscher den BMI und sonstige kardiometabolische Risikofaktoren. Sie definierten einen abnormen metabolischen Status, wenn mindestens zwei der folgenden Faktoren vorlagen: Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie, Hypertonie oder Diabetes.

Insgesamt waren nach dieser Definition zu Studienbeginn 31 Prozent der Teilnehmer metabolisch auffällig, zudem waren 38 Prozent übergewichtig und 9 Prozent adipös. Von den Adipösen hatten etwa 60 Prozent einen metabolisch abnormen Status.

Schon beim ersten Hirntest schnitten die Adipösen schlechter ab

Bei einem ersten Kognitionstest in den Jahren 1997-1999 zeigte sich, dass die adipösen Teilnehmer deutlich schlechter abschnitten als Normalgewichtige (minus 0,14-0,16 Standardabweichungen). Dabei gab es allerdings keinen Unterschied zwischen metabolisch auffälligen und unauffälligen Adipösen - auch mit höchstens einem weiteren kardiometabolischen Risikofaktor war die Hirnleistung schon schlechter, am metabolischen Status schien es folglich nicht zu liegen.

Unterschiede zwischen metabolisch auffälligen und unauffälligen Dicken fanden die Forscher dennoch, und zwar dann, wenn sie aus sämtlichen Kognitionstests aus den 18 Studienjahren die Geschwindigkeit des geistigen Abbaus berechneten. So ging die kognitive Leistung binnen zehn Jahren bei den metabolisch auffälligen Adipösen um 0,49 Standardabweichungen zurück, bei den metabolisch nicht auffälligen lag der Wert bei minus 0,40-0,42 Standardabweichungen - und zwar unabhängig vom Gewicht.

Das Fazit der Studie: Adipöse zeigen unabhängig von sonstigen metabolischen Faktoren eine schlechtere Hirnleistung, kommen noch weitere dieser Faktoren dazu, beschleunigt sich der kognitive Abbau zusätzlich.

Über die Ursachen darf munter spekuliert werden. Dass Bluthochdruck die Hirnleistung schmälert, ist mittlerweile ebenso bekannt wie die Tatsache, dass Bewegungsmangel, wie er bei Adipösen anzunehmen ist, dem Gehirn zusetzt.

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